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Glosse: Vom Seitenaus aus - Zum pöbelnden Werner Schulz

UJN 31.05.2010

 

Eigentlich hegte ich ja die Hoffnung, Werner Schulz hätte den Bogen ähnlich wie Oswald Metzger in meiner ehemaligen Partei (und damit in den Parlamenten) endgültig überspannt. Ja, dachte ich, aber es kommt ja immer schlimmer, als man denkt und so haben ihn DIE GRÜNEN 2009 tatsächlich ins Europäische Parlament geschickt – so viel zu dem Thema "linke Mehrheiten" auf Bundesparteitagen, von denen die  "linken" Kreuzberger Oberstrategen seit dem Abgang von Jesus Fischer immer wieder fabulieren, um sich die Vollkorn-FDP schönzureden. Und so war ich vergangenen Mittwoch ehrlich entsetzt, als ich plötzlich bei der Pressekonferenz von Gregor Gysi zur Bundespräsidentenwahl die Stimme des aus dem Hintergrund pöbelnden Werner Schulz hörte und erkannte. Es gibt genügend Argumente gegen Schulz und ich erinnerte mich  gleich an eine kleine Geschichte, die im Rahmen des Projekts "Grünes Theater" entstand. Da sie viel über die mentale Physiognomie Schulzens aussagt, will ich sie hier posten. Publiziert habe ich sie damals übrigens über einen bündnisgrünen Emailverteiler mit 3.500 Funktions- und MandatsträgerInnen. Kein Wunder also, dass mich der Schulz so richtig böse angefunkelt und angegiftet hat, als ich ihm ein paar Wochen später auf einem Parteitag begegnete. Bloß, es wurde mir auch gleich dutzendfach versichert, man habe sich amüsiert über die Geschichte und Schulzens materielle und mentale Armut.

 

Bild: www.lafontaines-linke.de

 

 

Grüner Bezirk zahlt Werner Schulz die PR-Arbeit und Peter Gauweiler die Propaganda

von Ignaz Wrobel

 

Vergangene Woche beantragte der Vorstand des bündnisgrünen Bezirksverbandes Pankow-Prenzlauer Berg von seinen Mitgliedern einen Zuschuss in Höhe von knapp 1500 Euro für den "Grünen Salon" von Werner Schulz. Dieser Salon dient dazu, dass sich ein paar mehr oder weniger interessante Leute gegenseitig bauchpinseln. Er ist Teil von Werner Schulzens Öffentlichkeitsarbeit. Eigentlich seine Privatsache das Ganze, möchte man denken. Wozu also Gelder des Kreisverbandes? Zumal Werner Schulz nicht einmal als Bundestagsabgeordneter einen Teil seiner Diäten gemäß der Parteibeschlüsse abführt. Das tun jedoch auch andere nicht. Aber skandalös wird es, wenn man für seine nicht zu knapp bezahlte Arbeit als MdB dann auch noch Geld von der Partei beantragt. Der Schulz ist wirklich arm dran, am Ärmsten jedoch nicht im Materiellen.


Der arme Schulz pöbelt jetzt gegen des Kanzlers Sozialabbau aus einem einzigen Grund: Er bringt sich in die Öffentlichkeit. Schulz bringt Bierzeltsprüche statt Substanz. So zumindest bei der Listenaufstellung in Berlin. Show-Time, Entertainment, er hatte Erfolg. Den meisten Applaus bekam er für den vermeintlich-flotten Spruch "Und DIE GRÜNEN streiten sich länger über die Frage Krieg und Frieden als es dauert, den gleichnamigen Roman von Tolstoi zu lesen."

Als Germanist hat er meine Anerkennung dafür, als Humanist meine Verachtung. Ich kam mir vor wie bei der CSU zum Starkbieranstich. Nur leider war das Bier, um es erträglicher zu gestalten, nicht für umme. Schulzens mentale Physiognomie besteht aus blankem Populismus. [...] Das nächste Mal soll es im Grünen Salon interessant werden und sich zumindest der mehr oder minder kurzweilige Daniel Cohn-Bendit auf dem Podium lümmeln dürfen. Gemeinsam mit dem braunen Peter aus München. Dem schwarzen Peter.

Der GRÜNE Bezirk Pankow-Prenzlauer Berg hat den Schwarzen Peter. Gauweiler mit Nachnamen. Man erinnert sich, wer das war und bis heute ist? Peter Gauweiler war der bayerische Minister, welcher in den 80er Jahren AIDS-Kranke mit einer Tätowierung "HIV-Positiv" auf dem Hintern versehen wollte und sie in Bayern auf dem Lande in Lager einsperren wollte. Dort sollten sie sich konzentrieren – nicht mental, sondern in personam. Er war derjenige, welcher davon sprach, dass der Zuzug von Menschen nach Deutschland ein Umweltproblem sei. Das ist Ökofaschismus. Als ökofaschistisch können Positionen bezeichnet werden, welche ein überzogenes Primat der Ökologie postulieren und – um dies zu realisieren – auch unsoziale bzw. inhumane Maßnahmen legitimieren. Ein Beispiel des französischen Rechtsradikalen René Dubos: "Für einige überfüllte Populationen [der sog. Dritten Welt; A.d.A.] mag dann Gewalt oder sogar die Atombombe eines Tages keine Drohung mehr sein, sondern Befreiung", der übrigens zustimmend vom grünen Säulenheiligen Herbert Gruhl zitiert wird.


Der schwarze Peter kostet den Kreisverband knapp 1500 Euro; meine eigenen, hart erarbeiteten Mitgliedsbeiträge. Es besteht ein kausaler Link. Im Grunde genommen gehe ich arbeiten, damit der schwarzbraunen Haselnuss aus München, den selbst Stoiber in den Bereich des Pathologischen rückt, ein Forum geboten wird. Gauweiler darf vor bündnisgrünem Publikum reden. Das kickt ihn. Man kann auch mit solchen Leuten sich auseinandersetzen, ja man muss es sogar. Aber nicht auf von meiner Partei finanzierten Privatveranstaltungen des armen Schulz’. Der Ort ist das PARLAMENT, aber dort wird zu wenig Tacheles geredet. Wie weit soll die Beliebigkeit denn noch gehen? Man kann sich mit dem Gauweiler fetzen, streiten und überwerfen auf Podiumsdiskussionen vor Wahlen, gerne sogar. Statt dort, im Parlament, bloß zu parlieren, sollte Kritik, auch beißende, platziert und pariert werden.

 

Aus: Grünes Theater I/2003

 

 

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Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte