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SPASIBO - Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker

 

"Bisschen Danke sagen auf diese Art," so Herr Wedel irgendwie ganz nebenbei in der ersten Szene des Dokumentarfilms "Spasibo" von Martin Erdmann. Es ist sein erster Film. Martins Film setzt ein in Perleburg, Brandenburg: Ein Herr höheren Alters mit dem Namen Lothar Wedel – just a simple and good guy - sammelt bei alten Menschen Spenden für eine Hilfsfahrt in die Ukraine ein.

 

Womit wir auch schon bei einer der Dimensionen des Filmes sind: Deutschland hilft Russland. Und das tut ein Deutscher, Lothar Wedel, nachdem es immer nur Krieg gab zwischen Deutschland und Russland.

 

 

Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker, das Thema des Filmes, äußert sich in vielerlei Form und gerade dann, wenn man sie nicht erwartet. In Erdmanns Film stört keine Kamera das natürliche Spiel der Menschen untereinander, auch das Pferd und der Hund sind geradezu empathisch gefilmt. Da sind zum Beispiel die Plomben, welche angelegt werden an der Plane des LKWs ganz zu Beginn des Filmes als es los geht nach Nowowolynsk.

 

Sinnlichkeit und Empathie des Augenblicks sind die Leitmotive des Filmers und des Films. Nichts, kein grelles Licht, kein lautes Gequatsche anderer - das Gefilmte allein ist zentral und wichtig. Es geht um das Leben der einfachen Menschen und wie ihnen Hilfe widerfährt und sie doch - selbst in größter Armut - eine Gastfreundschaft zeigen, die in ehrlichster Liebe selbst zum Fremden wurzelt. Es ist ein Film an die Liebe zu jedem menschlichen Leben und zum Überleben. Man müsste sich fast wünschen, dieses mental so arme Deutschland erführe solche Menschlichkeit – bloß: Wir sind ja global gesehen superreich – zumindest die sog. „oberen“ 5 Prozent, die sich 50 Prozent des Schotters zusammengeschwindelt und/oder ererbt haben.

 

Die Botschaft des Filmes jedoch ist, es wird auch uns geholfen durch die Verzeihung, welche Lothar Wedel im Namen aller dieses Landes zu Teil wird. Russland hat uns verziehen. Eine Stelle des Filmes ist nachgerade kafkaesk und insofern genial: Nachdem schon alles verschenkt ist und wirklich nichts mehr zu verteilen ist und Lothar Wedel in der vorherigen Szene schon meint, „jetzt gib’ alles her“, geraten sie – bereits auf der Rückfahrt inbegriffen – vor ein kleines Häusle an ein sog. mongolides Kind. Was kann denn noch passieren? Die Lösung des Rätsels. Was genau das ist, dazu ist der Zuschauer geradezu eingeladen. Ein großer Wurf eines noch sehr jungen Regisseurs, Martin Erdmann!

 

[SPASIBO - Dokumentarfilm von M. Erdmann über ein Hilfsprojekt für die Ukraine]



Uwe Ness | Texte zu Politik, Geschichte & Literatur