Home
Zw. Revolte & Krieg
Afghanistan-Krieg
USA
Socialism 4 the rich
Lager Guantánamo
US-Schuldenkrise
Illegaler Krieg
Standing Army
Bye Bye America
Politisches System
Projektion: 6. Nov.
Repräsentantenhaus
Senat
7 Key Races
Dominanz der Rechten
Nachlese 2010
US-Census 2010
Präsidentschaftswahl
Von Iowa bis Florida
Perry vs Obama
Election 2012 - DEM
Ohio 2008
353 + X Wahlmänner
Electoral College 08
Palins Statthalter
Hosni of Wisconsin
Losing Hope
Weniger archaisch
Palins Verantwortung
Rote Karte für Obama
Krieg in Libyen
konkret & abstrakt
Dt. Lit./Ge/PoWi
Reise des Lucas Leon
homo ludens
Archiv - Gentechnik
cv & über mich
Twitter & Facebook
Kontakt & Impressum

Projektion: Obama gewinnt mindestens 294 Wahlmänner und damit  die Wahl

UJN 06.11.2012

 

Vorab: Was das Amt des US-Präsidenten politisch interessant macht, ist weniger die fortschrittliche bzw. konservative Haltung des Präsidenten zu innenpolitischen Fragen, die primär im Kongress entschieden werden, sondern seine außenpolitische Agenda. Vergegenwärtigt man sich jedoch die Positionen beider Kandidaten, so ergeben sich darin nur geringfügige Unterschiede. Diese Einschätzung wird in Deutschland von ganz links bis weit rechts geteilt, so etwa die junge Welt oder auch konservative Think Tanks und die Konrad-Adenauer-Stiftung (Ganz egal, wer gewinnt in: German Foreign Policy), ich selbst resümierte dies schon früher als "scheinbare Wahlfreiheit". Meine persönliche Beschäftigung mit den Präsidentschaftswahlen gründet also nicht darin, dass ich glaubte, ein anderes Gesicht würde massive Veränderungen in der Außen- und Militärpolitik bewirken, sondern sie ist vielmehr der Tatsache geschuldet, dass mich das US-amerikanische Wahlsystem, das immerhin schon über 200 Jahre Bestand hat, aus politikwissenschaftlichen Gründen interessiert und so lag ich mit meinen Berechnungen schon 2008 ziemlich nah am Ergebnis.

 

Die letzten Wochen über wurde uns von den Medien eingetrichtert, das Rennen zwischen beiden Kandidaten sei sehr knapp, unentschieden, ja teilweise sogar, Romney liege vorne. Zu diesem Urteil kann man jedoch nur gelangen, wenn man oberflächlich US-weite Umfragen betrachtet, deren Grundlagen oftmals methodisch zweifelhaft bzw. parteiisch sind. Der US-Präsident wird bekanntlich nicht über eine US-weite Wahl bestimmt, sondern durch ein Gremium von 538 Wahlmännern. Jeder Bundesstaat verfügt über 2 Grundmandate (analog der Senatorenzahl) sowie dieselbe Anzahl der auf seinem Gebiet liegenden Wahlkreise zum Repräsentantenhaus, also z.B. Kalifornien 2 Senatoren + 53 Wahlkreise = 55 Wahlmänner oder Wyoming 2 + 1 = 3. Hierbei wird wegen der beiden Grundmandate, die sich nicht nach Bevölkerungsgröße richten, schnell klar, dass die kleineren Bundesstaaten überrepräsentiert sind. Außer in Nebraska und Maine gilt das Prinzip: The winner takes it all, will sagen: Wer die relative Mehrheit in einem Bundesstaat erzielt, erhält alle Wahlmänner des Bundesstaates. Diese wiederum geben einige Wochen nach ihrer Wahl selbst ihre Stimmen ab, die im US-Kongress dann im Januar öffentlich ausgezählt werden.

 

Kommen wir nunmehr zu der Projektion der Wahlmänner und damit zu der Entscheidung, wer am 6. November gewählt wird. Die Grundlage bilden die Umfragen in allen Bundesstaaten unter Ausschluss derjenigen Umfragen, die von den beiden Parteien selbst veranlasst wurden bzw. die sich als methodisch unsauber (z.B. Rasmussen) erwiesen haben. Dabei kann man Mittelwerte bilden und die Bundesstaaten in einem ersten Schritt nach dem Abstand zwischen beiden Parteien klassifizieren, um eine Entscheidung über die "sicheren" Bundesstaaten treffen. Darunter fallen alle Bundesstaaten, bei denen in unparteiischen und gemittelten Umfragen der Abstand zwischen beiden Kandidaten mehr als 5 Prozent beträgt. Hier meine Einstufung; Blau steht für Obama, Rot für Romney:

 

Die Mehrheit bei 538 Wahlmännern liegt bei 270; Im ersten Schritt kommt Obama nach meiner Berechnung auf 247 Wahlmänner und Romney auf 191 Wahlmänner.

 

Wir müssen also in einem zweiten Schritt die acht verbleibenden Bundesstaaten New Hampshire, Virginia, North Carolina, Florida, Ohio, Iowa, Colorado und Nevada näher betrachten. Zum Vorgehen: Sofern der Abstand zwischen den beiden Kandidaten mehr als 1 Prozent beträgt, wird dann der Bundesstaat mitsamt seinen Electoral Voters dem betreffenden Kandidaten zugeteilt:

 

NH: Obama + 2,1875% = 4 Electoral Voters für Obama

VA: Obama + 1,4% = 13 Electoral Voters für Obama

NC: Romney + 0,384% = too close

FL:  Romney + 0,05% = too close

OH: Obama + 2,6% = 18 Electoral Voters für Obama

IA:  Obama + 2,58% = 6 Electoral Voters für Obama

CO: Obama + 0,5625% = too close

NV: Obama + 3,3636% = 6 Electoral Voters für Obama

 

 

Im zweiten Schritt ergibt sich, dass Obama mindestens 294 Wahlmänner bekommt, Romney mindestens 191, in den nunmehr noch verbleibenden drei Bundesstaaten North Carolina, Florida und Colorado (zusammen 53 Wahlmänner) ist eine Vorhersage auf Grundlage der Umfragen nicht möglich. Dessen ungeachtet wäre Obama mit 294 Wahlmänner bereits gewählt, denn die Mehrheit liegt bei 270.

 

Nate Silver, der sich schon 2008 durch seine präzisen Berechnungen verdient machte und mittlerweile bei der New York Times bloggt, hat auch die in meinen Berechnungen wegen des knappen Resultats fehlenden Bundesstaaten mit einbezogen und projiziert somit für alle 538 Wahlmänner (Stand: 06.11. 15Uhr MEZ): Obama: 315, Romney: 223 (gerundet). Silver beziffert in seiner laufend aktualisierten Prognose die Wahrscheinlichkeit eines Sieges für Obama mit 91,6% und für Romney mit 8,4%. 



 

Wahlausgang: Alle Bundesstaaten richtig berechnet

UJN 07.11.2012 11:00

 

Was die Qualitätsjournalisten und -politologen in der Wahlnacht wieder an amateurhaften Kommentaren besonders im ZDF vom Stapel ließen, wäre eigentlich einen eigenen Artikel wert, aber die sind ja sowieso resistent gegenüber Kritik an ihren Methoden ... Meine Berechnungen und Entscheidung für jeden Bundesstaat jedenfalls, wer die Wahlmänner erhält, war in allen Bundesstaaten richtig - demnach prognostizierte ich für Obama mindestens 294 Wahlmänner, für Romney mindestens 191 bei drei Bundesstaaten mit 53 Wahlmännern, die auf Grundlage der Umfragen vor der Wahl unklar waren. Von den drei Bundesstaaten gewann Romney North Carolina und Obama Colorado, in Florida wird noch ausgezählt. Derzeitiger Stand bei den Wahlmännern: Obama: 303; Romney: 206; offen: 29 (Florida);

 

Alle Ergebnisse bei der New York Times:

 

 

Share



Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte