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Glosse - Ohio 2008

[Daten meines Blogs Election of the President]

UJN 07.10.2008

 

Wenn man das politische System der USA analysiert, so findet man zunächst einmal zwei große Blöcke vor, die Grand Old Party (GOP=Republikaner) und die Democratic Party (DP). Weil die Wirklichkeit so schnöde ist, wie sie ist und diese beiden Blöcke gesetzt sind und auch nicht überwunden werden können in Präsidentschaftswahlen, muss man fast zwingend sein für die Demokraten. Und das heißt im Jahr 2008, wenn man diese Logik durchdekliniert, dass man mangels anderer Alternativen fast zwingend unterstützen muss die Kandidatur von Barack Obama, weil sonst noch Schlimmeres droht in Gestalt von McCain. Wobei schlimmer als der derzeit Amtierende da drüben, das geht ja sowieso nicht mehr. Insofern kann alles, was nach "George Babbelyou" ("babbeln" bedeutet im Schwäbischen so etwas wie "Unsinn reden") kommt, eh nur besser sein. Selbstredend kongruiert mein Weltbild als Linker nur zu einem geringen Maße mit dem von Barack Obama. Ich selbst würde sagen, vielleicht zu 30 Prozent nur, bei McCain sind es aber nur 10 Prozent. Doch eines bleibt, auch McCain hat versprochen, Guantanamo dichtzumachen. Was ist das bis heute für eine Schande, was sich die USA da unten erlaubt und leistet?

 

Das Problem mit den Amerikanern in der Weltpolitik hat im Grunde genommen angefangen schon Ende des 19. Jahrhundertes. Da begannen sie zu glauben, nachdem sie den Mittleren Westen der USA erobert hatten, sie dürften Mittel- und Lateinamerika als ihren Hinterhof betrachten. Und daraus folgte  eine Vielzahl an Problemen, nicht unbedingt für die USA selbst, so doch aber für den nicht unerheblichen restlichen Teil der Welt. Der Dokumentarfilm "War made easy – Wenn Präsidenten lügen" von Loretta Alper und Jeremy Earp aus dem Jahr 2007 untersucht akribisch die Kriegsstrategien der US-Präsidenten von Lyndon B. Johnson bis George W. Bush.

 

 

Ich will an dieser Stelle nicht abstreiten, dass die US-Amerikaner in der Weltpolitik auch Verdienste haben. Man denke etwa an die Befreiung Europas vom Faschismus. Aber das steht auf einem anderen Blatt und ist in gewisser Weise sicherlich auch nicht ganz ohne Eigennutz und außerdem viel zu spät geschehen. 

 

Kaum jemand erinnert sich, aber es gab schon einmal ein 9/11 in der Geschichte, zwar nicht in der US-amerikanischen, so doch in der amerikanischen Geschichte. Sechs Tage nach meinem eigenen Geburtstag war dieser 09/11, 1973. Ort des Geschehens: Santiago de Chile. Mordopfer: Salvador Allende. Täter: CIA & Amtierender, Nixon mit Namen. By the way: Der Albtraum eines Amtierenden schlechthin. Da ist der derzeitige ja bloß ein Treppenwitz der Geschichte. A propos, wäre ich Staatsanwalt in Amerika, ich drehte sofort dem Amtierenden da drüber ein Strafverfahren für all das, was geschah in seiner Amtszeit. Ich hoffe, Nancy Pelosi, Speaker of the House of Representatives, ist mutig genug, zumindest einen Untersuchungsausschuss zu veranlassen, in dem all das, was da die letzten acht langen Jahre schief lief, endlich mal zur Sprache kommt. Ganz verstanden habe ich die Demokraten sowieso nicht. Warum eigentlich haben die kein Impeachment-Verfahren (Amtsenthebungsverfahren) angestrengt gegen den Amtierenden? Ich meine, Gründe genug hätten sich wohl finden lassen. Die Republikaner machen das ja auch mal gerne - allein wegen ... naja ...

 

Angefangen hat das Ganze ja mit dem Amtierenden in Florida im Jahr 2000. Damals machte ich gerade etwas verspätet mein Latinum. Das war nicht lustig damals, auch schaute ich zu meiner vermeintlichen Entspannung nach zehn, elf Stunden Latein lernen dann immer noch die TV-Übertragungen aus den USA. Das entwickelte sich zu einem richtigen Wahlkrimi in Florida. Aber zu meiner Entspannung diente das damals nicht, weil es die Wirklichkeit war, und führte daher zu meinem Verwundern und Entsetzen. Entspannt einschlafen konnte ich natürlich nicht nach all der Aufregung  darüber, was Jeb Bush - Gouverneur und Bruder von Georgebubbelyou - und seine Richter-Freunde in Florida veranstalteten. Es hatte auch 'was Gutes, schließlich wurde ich dadurch und durch die Politologie, welche ich studierte, zu einem Kenner des US-amerikanischen Regierungssystems und der mistigen Politologie da drüben. Leider beweist sich das jeden Tag bei jedem genaueren Blick auf die einzelnen Umfragen der Institute, welche dokumentiert werden auf der Seite www.electoral-vote.com. Von der Seite selbst halte ich eigentlich viel, aber die haben noch nicht einmal ihre eigenen Kriterien definiert, was sie als "tied", als "barely", als "weak" oder als "strong" ansehen auf der Basis von Meinungsumfragen und auf der Ebene der einzelnen US-Staaten. Dies habe ich dann in Anlehnung an die Washington Post (Wahlkampf 2000) getan.

 
Gute Nachrichten gibt es übrigens aus Amerika: Die Stimmen aus dem US-Bundesstaat Florida bekommt derzeit, also Anfang Oktober,  Barack Obama, so wenn jetzt am vergangenen Dienstag Wahl gewesen wäre. In Ohio führt John McCain mit 0,51 Prozent, wobei der Abstand damit zu knapp ist, um etwas darüber auszusagen, wer die 20 Wahlmännerstimmen Ohios erhält. Mal grundsätzlich noch zu den Bundesstaaten: Man sollte als Amerika-Kritiker immer daran denken, dass die USA viel eher ein Staatenbund als ein Bundesstaat sind. Und der Amtierende mag zwar wichtig sein für die Welt, die konkrete Politik jedoch für die Menschen wird woanders gemacht, nämlich in den Parlamenten der einzelnen Bundesstaaten und natürlich im Senate und dem House of Representatives. Dass natürlich das Zustandekommen dieser Politik genauso wie ihre normative Komponente selbst in vielerlei Hinsicht von einer linken, europäischen Warte zu hinterfragen ist, erübrigt sich festzustellen.
 

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Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte