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VI. Mitgift

 

A) Allgemein

  • Stellung von Mitgift üblich, aber nicht zwingend; in der klassischen Zeit wurde das erwartet. Der jüngere Plinius half mindestens in zwei Fällen Freunden bei der Stellung.
  • Auf Grund der zunehmenden Scheidungen war es wichtig, daß am Ende der Ehe die Mitgift zurückgefordert werden konnte.

 

B) Stellung der Mitgift

  • Cicero: Alles Vermögen der Frau geht in manus-Ehen in das Eigentum des Mannes oder seines Vaters über und heißt dotis nomine. In Ciceros Zeit war klar, daß in freien Ehen all dieses Vermögen, was die Frau vor ihrer Ehe hatte, als Mitgift zu gelten habe.
  • War die Frau sui iuris, so blieb ihr Vermögen von dem des Gatten getrennt.
  • Ulpian unterscheidet drei Formen der Übertragung: dos [NSg.] aut datur aut dicitur aut promittitur, eine Mitgift wird entweder gegeben, erklärt oder versprochen.
  • Eklärung der Mitgift, dotis dictio, konnte nur von der Frau selbst, ihrem Vater, tutor oder einem Schuldner gemacht werden => mündlicher Vertrag, stipulatio. Formel: Promittisne? Promitto. Spätestens in der Zeit der Zusammenstellung der Digesten war dieses Verfahren verschwunden und wird nicht mehr von der allgemeineren dotis [GSg.] promissio unterschieden.
  • dotis datio: nicht nur eigentliche Übergabe der Mitgift, sondern auch aller rechtlicher Maßnahmen (bspw. Tilgung der Schulden des Ehemans, Verzicht der Ehefrau auf ein Erbe zugungsten des Ehegatten etc.)
  • Mitgift in Geldform wurde gewöhnlich in drei Jahresraten bezahlt - die unbeweglichen Mittel offenbar sofort. Scipio Aemilianus mußte 162 v. Chr. jeder seiner Adoptivtanten 25 Talente zahlen, angeblich als zweite Rate der ihnen von seinem Vater, dem älteren Scipio, versprochenen Mitgift.
  • Höhe der Mitgiften: Bsp. Ciceros zwei Frauen. Terentia hatte mindestens 40 000 Sesterzen, Publilia mindestens 1 200 000. Martial und Juvenal berichten, daß im ersten nachchristlichen Jahrhundert die Mitgiften etwa in der Höhe des Census für den Senatorenstand betrugen: 1 Mio. Sesterzen.

 

C) Rechte und Pflichten des Ehemanns

  • anders als in Griechenland wurde Mitgift vollständiges Eigentum des Mannes, erst allmächlich wurde die Möglichkeit der Rückforderung rechtlich verankert => Einschränkungen über Verfügungen für den Ehemann während der Ehe.
  • aestimatio: Schätzung des Vermögens bereits bei Eheschließung.
  • Bis zum Ende der Republik hatte Ehemann das Recht, jeden Teil der Mitgift zu verkaufen. Tat er dies ohne Zustimmung der Frau, konnte diese allerdings bei Scheidung den Gegenwert einfordern. lex Iulia de adulteriis verbot die Veräußerung von Land in Italien, wenn die Frau nicht zustimmte.
  • Am Ende Republik, so Garnder, gab es bereits viele Fälle, daß Mitgift zum Teil oder ganz erstattet werden mußte => Ehemann eher Verwalter und Nießbraucher der Mitgift als Eigentümer.
  • Seit 122 v.Chr. mußte er für fahrlässigen Verlust der Mitgift haften. In den Unruhen zur Zeit des Todes Gaius Gracchus waren Vermögenssachen, die zur Mitgift seiner Frau Licinia gehört hatten, zerstört worden. Der Jurist Publius Mucius Scaevola bestand auf ihrem Recht auf Rückgabe, weil der Aufstand Schuld des Gaius Gracchus gewesen sei.
  • Ehemann konnte einen Teil der Mitgift propter inpensas, wegen Aufwendungen zurückhalten. Ganzer Titel in den Digesten dazu, Ulpian und Paulus sehr daran interessiert: Ulpian kategorisiert alle Ausgaben als "entweder notwendig, nützlich oder zum Vergnügen gemacht."

 

D) Die Rückgabe der Mitgift

  • sofern keine Vereinbarung => Quelle maßgeblich, aus der die Mitgift stammte.
  • vorherige Bestimmung => Bezeichnung dos receptica und dementsprechend damit umgegangen; actio ex stipulatu
  • dos profecticia: vom Vater der Braut gegeben; konnte nur vom Geber oder seiner geschiedenen Tochter, sofern der Vater verstorben war, zurückgefordert werden.
  • dos adventicia: von der Braut, einem Dritten oder dem pater gegeben. Beim pater jedoch nicht direkt aus seinem Vermögen, sondern etwa durch Weiterleitung eines Vermächtnisses. Verblieb beim Ehemann, wenn Gattin verstarb. Konnte durch Frau oder pater zurückgefordert werden, wenn die Tochter noch in potestas des Vaters war.
  • Problem bei Ulpian: "Wenn eine Tochter, die emancipiert wurde, eine Scheidung erreicht, damit ihr Gatte von der Mitgift Gewinn machen könne, und damit ihren Vater betrügt, der die Mitgift sonst als dos profecticia im Falle ihres Todes hätte beanspruchen können, so ist dabei dem Vater zu helfen, daß er die Mitgift nicht verliert."

 

E) Mitgift nach dem Tod der Ehefrau

  • sofern dos adventicia => Eigentum des Mannes
  • sofern dos profecticia => pater konnte sie zurückfordern, wie es auch Cicero mit der Mitgift seiner Tochter Tullia tat. Ehemann konnte allerdings für jedes Kind ein Fünftel der Mitgift behalten.
  • Begräbnis der Frau wird aus Mitgift bezahlt. sofern Mitgift beim ersten Mann, Wiederverheiratung, Tod der Frau in zweiter Ehe => erster Gatte mußte, so Jurist Fulcinius, nicht Begräbnis bezahlen.

 

F) Mitgift nach Tod des Ehemanns

  • Erben des Mannes konnten sie nicht einbehalten, pater der Frau oder Frau selbst konnten eine actio rei uxoriae, ein Verfahren zugunsten des Vermögens der Frau anstrengen. Pater konnte dieses Verfahren nur mit der Frau betreiben, da die Mitgift entweder dazu verwandt werden sollte, ihr den Unterhalt zu sichern oder eine neue Ehe einzugehen.
  • Manchmal hinterließ Ehemann die Mitgift via Vermächtnis, sei es durch ein fideicommissum oder eine testamentarische Bestimmung. Erben des Mannes konnten einen Teil propter inpensas zurückbehalten.
  • praetorianisches Edikt ließ der Frau die Wahl zwischen actio rei uxoriae und Annahme des Erbes

 

G) Die Mitgift nach dem Tod des Vaters des Ehemanns

Bei Eheschließung ging die Mitgift an den Vater des Mannes, wenn dieser sich in dessen potestas befand. Bei dessen Tod => direktes Vermächtnis oder aber wenn es weitere Erben gab => actio familiae erciscundae, Herausnahme der Mitgift vor der Aufteilung des Erbes

 

H) Die Rückgabe der Mitgift während der Ehe

  • normalerweise nicht der Fall; jedoch durchaus möglich, etwa wenn Gatte als Sohn unter der potestas die Enterbung oder Verschuldung drohte.
  • via Vereinbarung permutatio dotis, Austausch von Mitgift, etwa daß die Mitgift mit ihrer Zustimmung von Land zu Geld gewandelt wurde.

 

I) Die Mitgift als Erbgut: Das "Einbringen der Mitgift", collatio dotis

  • Testament konnte von emancipierten Kindern angefochten werden, weil sie einen Erbteil neben den Hauserben, sui heredes, wollten (bonorum possessio contra tabulas) oder daß jene einen Erbteil neben den sui heredes in Anspruch nahmen wenn kein Testament (bonorum possessio unde liberi) vorlag.
  • von bereits emancipierten Kindern, die ja Eigentum besitzen konnte wurde eine collatio dotis verlangt, d.h., sie hatten ihr Eigentum in die Erbmasse einzubringen, um eine Aufteilung auf alle Kinder zu ermöglichen. Verfahren wurde bei Frau in freier Ehe angewandt. Bestand ihre Ehe beim Tod noch, war die Mitgift nicht Teil der Erbmasse. War die Frau im Testament nicht bedacht worden, konnte sie das Testament anfechten und ein Teil des Erbes wie bei einem Erbgang ohne Testament verlangen. War sie zu Lebzeiten des Vaters emancipiert worden, wurden die allgemeinen Regeln der collatio bonorum auf jedes andere Vermögen angewandt, das sie vielleicht hatte.
  • Verstarb etwa der Schwiergervater mit Schulden, hätten die Regeln bedeutet, daß der Schwiegersohn für dessen Schulden aufkommen hätte müssen; daher gab es jedoch nicht vor der spätrepublikanischen Zeit das beneficium abstinendi, das Privileg der Ablehnung, das den Hauserben die Möglichkeit der Ablehnung des Erbes gab. Machten sie keinen Gebrauch davon, galt, daß sie mit dem "Erbe vermischt wurden", bonis se immiscere.

J) Die Rückgabe der Mitgift nach der Scheidung

  • actio rei uxoriae => Rückgabe; Ehemann konnte einen Teil behalten etwa wegen A) retentio propter mores, B) retentio propter liberos (nur möglich, wenn Ehefrau Scheidung wollte) C) retentio propter inpensas
  • Ansprüch beider gegeneinander A) propter res donatas (Geschenken, die aber eigentlich ungültig waren, er konnte jedoch Geschenke "zum Zwecke der Scheidung" machen) sowie B) propter res amotas (Dingen, die entwendet wurden, sich aber in des anderen Eigentum befanden.) Beide Partner konnten gegeneinander beide Ansprüche geltend machen.
  • Während der Ehe stand der Gewinn, fructus, aus der Verwaltung der Mitgift zu. Bei Scheidung mußte dieser Gewinn auf Jahresbasis berechnet werden. Was von der Mitgift nach allen Abzügen übrigblieb, mußte sofort zurückgezahlt werden, ausgenommen alles bewegliche Habe und Geld (in drei Jahresraten).

Fazit: Abgesehen von der Mitgift war Vermögen der Frau getrennt von dem des Mannes. Sofern noch pater => kein Eigentum; geschiedener Mann war nicht zum Unterhalt verpflichtet => dies traf den pater; sofern dieser gestorben war => verblieb ihr Mitgift und was sie besaß.

 



Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte