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XI. laudatio Turiae

  • Inschrift, aus der Zeit des Augustus stammend, die eine Grabrede eines Gatten für seine Frau Turia enthält. Es handelt sich vielleicht um die Gemahlin des Konsuls Quintus Lucretius Vespillo.
  • Vor dem Tag ihrer Hochzeit: Mord an den Eltern. [sie war wohl schon verlobt] Redner selbst und Bruder der Schwester abwesend. Sie forderte Sühne und erfüllte ihre "Kindespflicht". Nachdem die Täter hingerichtet waren, wechselte sie in das Haus ihrer zukünftigen Schwiegermutter.
  • Verwandte meinen, das Testament sei außer Kraft, da ihre Eltern eine coemptio, eine Kaufehe, geschlossen hätten. Daher sei sie selbst und das Vermögen unter der Vormundschaft der Verwandten. Ihre Schwester sei in der "Munt" eines Cluviers übergewechselt. Sie argumentiert, daß selbst wenn das Testament nicht gültig sein sollte, hätten die Vewandten kein Recht, weil sie nicht derselben Abkunft seien. Vermutlich waren sie in der höchsten Vermögensklasse (wg. Mitgift für Großnichten) hatten also mehr als 100000 As => Voconisches Gesetz, von Cicero lex Voconia de mulierum hereditatibus genannt, hätte Erbeinsetzung der Tochter verboten; Theodor Mommsen: Der Vater hätte sich dem Zensus vielleicht entzogen; jedoch Vermögenserhebung im Jahre 70 v.Chr. => Erlasser hätte gesetzeswidrig gehandelt => Testament wäre daher schon ungültig. Rechtlich unklar, wer tutor sein könnte, da agnatische Verwandte fehlten, Schwester in manus-Ehe eigentlich ausgeschlossen. Nachträgliche coemptio der Mutter hieß auch, daß diese vollständig in die famila aufgenommen wurde => ihre eigene Gens verliert alle Rechte an ihr.
  • Ehe währte 41 Jahre. Er rühmt ihre Vorzüge: Züchtigkeit, Nachgiebigkeit, Umgänglichkeit etc. und ihre unauffällige Kleidung [Ggs. zu Frauen aus dem Senatorenstand, bei denen es als modern galt, die grellen togae der Prostituierten] zu tragen.
  • Omne tuom patrimonium acceptum ab parentibus communi diligentia conservavimus. Ihr Erbe haben sie gemeinsam gehütet, er hatte die Verantwortung (tutela) für ihres, sie die Aufsicht (custodia) über sein Vermögen.
  • Sie nahmen Verwandte in ihr Haus auf und stellten für deren Verheiratung sogar deren Mitgift.
  • Sie half ihm während des Bürgerkriegs zwischen Caesar und Pompeius bei der Flucht, rüstete ihn mit ihrem Schmuck aus und hat ihn mit Sklaven, Geld und Vorräten reichlich versorgt.
  • Gegen Milo (52 v.Chr. verbannt, 4 Jahre später zurückgekehrt), dessen Haus der Redner während dessen Verbannung erworben hatte, verteidigt sie das Haus.
  • Sie setzt sich aber auch politisch für ihn ein: Vor Marcus Lepidus wirft sie sich in Rom zu Boden, wird entwürdigend behandelt, erinnert an Caesars Gnadenerlaß und beschwert sich in der Öffentlichkeit, daß ihrem Mann die Wiederherstellung seiner Rechte verweigert wird. [vermutlich nach 42. v.Chr. durch Oktavian wieder eingebürgert, doch Mittiumvirn Lepidus weigert sich wohl]
  • Befriedung der Welt => "ruhige und glückliche Zeiten" => er wurde evt. von Augustus zum Konsul 19 v. Chr. ernannt, daher vielleicht die Einschätzung; Gegensatz zu Tacitus, der (wie viele aus dem Senatorenstand) meinte, nur die Fassade der Republik sei wiederhergestellt worden.
  • Kinderwunsch bleibt allerdings unerfüllt; sie bietet ihm an, sich propter sterilitatem scheiden zu lassen, damit er sich wiederverheiraten könne. Auch das Erbe wolle sie nicht teilen, sondern es in seiner Verfügung stellen. Sie bietet ihm fortan an, sororis socrusve officia pietatemque mihi dehinc praestituram, die Dienste und Zuneigung einer Schwester oder Schwiegermutter zu erweisen. Er lehnt entschieden ab.
  • Frage, ob in der Rede die Adoption einer Tochter (nach Mommsen) erwogen wird oder nicht.

 



Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte