Home
Zw. Revolte & Krieg
Afghanistan-Krieg
USA
Krieg in Libyen
konkret & abstrakt
Dt. Lit./Ge/PoWi
Wissenschaftstheorie
Frauen/Röm. Antike
Vormundschaft
Frauen/Religion
Ehe
Folgen der Ehe
Scheidung
Mitgift
Sexualstraftaten
Kinder
Frauen/Politik
arbeitende Frauen
Exkurs zu Pompeii
laudatio Turiae
Literatur
athen. Demokratie
alterspezif. Tode
Freiburger Handfeste
Bauernbefreiung
Revolution 1918/19
Konjunkturpolitik/WR
Kennedy & Vietnam
Bundeswehr/Tradition
Transformismo: PCI
DIE GRÜNEN
Minne gebiutet mir
Felix Krull
Bildung v. Komposita
Reise des Lucas Leon
homo ludens
Archiv - Gentechnik
cv & über mich
Twitter & Facebook
Kontakt & Impressum

IX. Frauen in Politik und Öffentlichkeit

 

 

 

 

 

 

Während athenische Frauen in der Öffentlichkeit so gut wie keine Rolle spielten, waren die römischen Frauen im Verhältnis dazu recht selbstständig, wenn auch nicht frei. Frauen besuchten das Theater, den Circus oder gingen zu Symposien. Ganz selbstverständlich waren Frauen auch bei Gladiatorenspielen zugegen. So fanden sich in Pompeii etwa an Wänden Inschriften, in denen Frau, selbst solche, die verheiratet waren, Gladiatoren verehrten. In einem Graffito („Die Sehnsucht der Mädchen ist der Thracier Celadus“) werden die Gefühle von Frauen ganz unumwunden öffentlich gemacht; ein Vorgang, der etwa in Athen undenkbar gewesen wäre und allenfalls erheitert hätte. In weiteren Inschriften werden „Gladiatorenstars als Herren der Mädchen, als deren Zierde, ja als Verursacher von deren Liebesseufzer bezeichnet." Ein Kandidat wurde für ein öffentliches Amt mit folgender Begründung unterstützt: "Stimmt für M. Casellius Marcellus, er wird herrliche Spiele veranstalten." Derselbe Kandidat wird übrigens mit eben dieser Begründung auch von Männern unterstützt: „M. CAESELLIUM AEDILEM BONUM ET MUNERARIUM MAGNUM“. Verwunderlich ist dieses Kriterium bei der Wahlentscheidung nicht, da den Spielen eine zentrale Bedeutung im öffentlichen Leben zukam, vor allem in der Zeit des Prinzipats. Im Jahre 11 n. Chr. erging ein Senatsbeschluß, der bestimmte, daß freigeborene Frauen unter 20 Jahren und Männer unter 25 Jahren nicht als Schauspieler oder bei Gladiatorenspielen auftreten dürfen, weil Männer und Frauen, insbesondere aus der Oberschicht, durch ihre Darbietungen als Schauspieler oder Gladiatoren die gesamte Oberschicht diskreditiert hatten. Eine Inschrift aus dem Jahre 45 n. Chr. wurde zu Ehren mehrerer Frauen aus Tralles errichtet, die in griechischen Wettspielen gesiegt hatten. Daß sie an allen unblutigen Spielen genauso teilnahmen wie Männer, ist dokumentiert. Die Teilnahme an Wagenrennen hingegen wird vermutet.

 



Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte