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IV. Auswirkungen der Ehe

 

A) Allgemein

Frau in manus-Ehe hatte Stellung einer Adoptivtochter, keine rechtliche Unabhängigkeit und kein eigenständiges Eigentum. Frau in freier Ehe war in der potestas des Vaters. Verheiratete Frau hat allgemein den Status ihres Gatten, der sich nach Ämtern richtet (illustris, vornehm; clarissimus, hochberühmt; honestus, ehrwürdig). Ein mésalliance führte zum Statusverlust.

 

B) Unterhalt

  • während Ehe kein Rechtsanspruch auf Unterhalt; Stellung einer Mitgift und Verwendung dieser war für die Frau nicht vorgeschrieben.
  • gewohnheitsrechtliche Geschenke zwischen Ehemann und Ehefrau waren ungültig
  • Ulpian hielt das sog. Handgeld, das jährlich oder monatlich ausgezahlt wurde, für rechtsgültig.
  • Manchmal finden sich Vereinbarungen, wonach die Frau Mittel aus ihrer Mitgift verwenden darf. Beispiel: In der Komödie Aulularia des Paulus tritt ein nörgelnde Ehefrau auf, die sich darüber beschwert, daß sie eine Mitgift mitgebracht habe, die das Vermögen des Ehemannes weit übertroffen habe und es numehr angemessen sei, daß sie "Purpurkleider, Goldschmuck, Sklavinnen ...." erhalte.
  • Geschenke anläßlich der matronalia, der am 1. März stattfinden Mutterfeiern.
  • Witwen hielten zur Sicherung ihres Lebensstandard im Vermächtnis häufig supellex (Haushaltsgüter, Geschirr etc.) und pernus (fester Betrag oder jährliche Zahlung)

 

C) Getrenntes Vermögen

  • Frau in manus-Ehe hatte kein Vermögen; Geschenke und Erbschaften gingen in das des Gatten ein.
  • Jedes Gut, das einer Frau, die sui iuris war, vor ihrem Eintritt in eine manus-Ehe gehörte, fiel an ihren Mann - zählte aber, so Cicero, zur Mitgift.
  • Frauen, die sui iuris waren, konnten Vermögen haben. Es gab formale Vereinbarungen über Inventar der Güter, die dem Eheman übergeben wurden und der darüber Rechenschaft ablegen mußte.
  • Rede des älteren Cato zur geplanten lex Voconia 169 v. Chr.: "Am Anfang brachte die Frau dir eine große Mitgift; dann hält sie einen großen Geldbetrag zurück (recipit), den sie nicht der Kontrolle durch ihren Ehemann anvertraut, sondern ihn nur leiht; schließlich, wenn sie ihn satt hat, beauftragt sie einen 'zurückforderbaren Sklaven' (servus receptitius), ihm nachzujagen und ihm in dieser Sache auf die Nerven zu gehen."
  • Problem der Aufteilung von Haushaltsgütern bei Scheidung, insbesondere aber bei Tod des Ehemanns => praesumptio Muciana: Für den Fall, daß es für die Herkunft der Güter der Witwe keinen sicheren Beweis gibt => ehrenvolle Annahme, daß die Frau das Eigentum durch ihren Mann erhalten habe (Verdacht außerehelicher Geschenke).
  • Fall: Otacilia Laterensis war Geliebte des Gaius Visellius Varro: er war krank und wollte ihr ein Geschenk hinterlassen. Daher erfand er eine fiktive Schuld von 300 000 Sesterzen, die sie nach seinem Tod von seinen Erben zurückfordern sollte. Otacilia schrieb das in ihre Rechnungsbücher, er auch. Er starb jedoch nicht und die Geliebte forderte das Geld trotzdem. Der Fall wurde dem Praetor 66 v. Chr. übergeben. Fazit: Es lag im Interesse auch der Frau, ihr Vermögen schriftlich zu fixieren.

 

D) Der Schutz des getrennten Vermögens

  • Geschenke zwischen Eheleuten waren deshalb nichtig, damit die gegenseitige Zuneigung sie nicht dazu verleite, "sich selbst zu berauben". Verbot wurde auf Personen ausgedehnt, die einer einzigen potestas unterworfen waren => Grund lag wohl darin, Vermögen der Familie zu schützen. Geschenke durften übergeben wrden, wenn der andere Partner starb, ins Exil ging oder die Ehe durch Scheidung beendet wurde. Mehrere andere Umstände (wie etwa Brand des Hauses etc.).
  • Bis Ende der Republik konnten Eheleute gegenseitig für sich bürgen. Augustus und Claudius erließen Edikte, die es Frauen untersagten zugunsten ihrer Ehemänner zu interzedieren (intercedere). In der Mitte des 1. nachchristlichen Jahrhunderts durch senatusconsultum Velleianum verallgemeinert und auf alle Frauen ausgedehnt. Nicht unbedingt nur wegen der levitas animi, sondern vor allem wegen den Pfandleihern und dem Schutz der Vermögen der familiae (geht aus einer Paraphrase des Paulus hervor). Problem bestand auch  mit den Frauen mit ius liberorum, die keiner Vormundschaft unterstanden.
  • Juristen der klassischen Zeit beschreiben eine Frau in einer manus-Ehe als mit einer Tochter gleichrangig. Über eine Frau in einer freien Ehe hatte jedoch der Mann keine Gewalt. Das Gesetz gewährte dem Mann jedoch bei einem Angriff auf die Frau die actio iniuriarum, also das Recht, die Strafverfolgung zu veranlassen. Sofern sie in potestas ihres Vaters war => Recht lag bei Gatte und Vater.
  • Eheleute sollten keine Straf- und Ehrenklagen gegeneinander erheben. Für gewöhnlich fielen Strafen bei gleichartigen Verbrechen geringer aus. Ehemann konnte nicht gezwungen werden, gegen seine Schwiegereltern auszusagen. Stahl ein Partner das Eigentum des anderen, wurde nicht wegen Diebstahl geklagt, weil dies eine Klage war, die zu Ehrverlust, infamia, nach sich ziehen konnte, sondern nur auf Entfernung von Gütern.

 

E) Die Gesetzgebung des Augustus

  • lex Iulia 18 v. Chr. und die lex Papia 9 n. Chr. bedeuteten weniger die Belohnung der Eheschließung als vielmehr eine Bestrafung der Ehelosigkeit; Geburt von legitimen Kindern konnte Vorteile bringen. Die Nachteile trafen vor allem unverheiratete Bürger mit Vermögen.
  • Betroffene Gruppe: unverheiratete Frauen zwischen 20 und 50 Jahren, auch Witwen, die binnen eines Jahres nicht wieder geheiratet hatten.
  • Regelung, daß diese Personengruppe kein Vermächtnis annehmen konnte - ausgenommen waren nur Verwandte bis zum sechsten Grade. Wurde eine Ehe eingegangen, konnte die Hälfte des Vermächtnisses angenommen werden; es vollständig anzunehmen, wurde erst nach der Geburt eines legitimen Kindes gewährt.
  • Gnomon des Idios Logos, Sammlung von Vorschriften der Staatskasse aus Ägypten, besagte, daß Frauen mit Besitz von mehr als 50 000 Sesterzen - sofern sie ehe- und kinderlos waren - gar kein Erbe annehmen durften. Frauen unter 50 durften dies erst wenn sie drei bzw. vier (bei Freigelassenen) Kinder geboren hatten.
  • weiterer Nachteil der Gesetze: Unverheiratete Frauen, die mehr als 50 000 Sesterzen besaßen mußten eine einprozentige Steuer bezahlen.

 



Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte