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I. Einleitung

 

Nach der sowjetischen Besatzung in den 1980er Jahren stehen mittlerweile seit 2001 abermals fremde Truppen in Afghanistan – dieses Mal mit der Begründung, den internationalen Terrorismus bekämpfen zu wollen und gleichzeitig das Land wieder aufzubauen. Dabei ist der Einsatz in gleich mehrfacher Hinsicht gescheitert. Es ist jedoch nicht das Ziel dieser Arbeit, die aktuelle Lage in Afghanistan zu dokumentieren oder die Entwicklung dieses Krieges nachzuzeichnen. Zu diesem Zweck gibt es eine Fülle an Literatur, von der eine Auswahl im Anhang enthalten ist. Erklärter Zweck dieser Arbeit hingegen ist es, das Thema unter der Prämisse zu untersuchen: Wer sind die Profiteure dieses Krieges, wer sind die Verlierer?

 

Die de-facto-Besetzung Afghanistans durch die ISAF ist Ausdruck eines wiedererstarkten Imperialismus, der sich seit dem Wegfall der sog. Blockkonfrontation unter US-amerikanischer Dominanz entwickelt hat. Innerhalb einer darauf fußenden Geostrategie kommt Afghanistan eine zentrale Rolle zu, die aber auch weitere Länder, wie etwa den Iran, umfasst. Die Region weckt darüber hinaus Begehrlichkeiten, was den Zugriff und Transport von Gas und Erdöl anbelangt, unlängst wurde zudem bekannt, dass in Afghanistan große Rohstoffvorkommen existieren.

 

Des Weiteren stellt sich die Frage, wie ordnet sich der ISAF-Einsatz in die Strategie der Remilitarisierung Deutschlands ein? Wer verdient am Krieg und daran, dass der Leitgedanke des Neoliberalismus radikal umgesetzt wird? In den letzten Jahren hat sich das Land von einer Kriegs- in eine Drogenökonomie verwandelt, die mit der jeweiligen Regierung ebenso wie mit den Aufständischen eng verflochten ist. Diese Drogenökonomie wird paradoxerweise durch die westlichen Truppen verstärkt. Längst haben auch private Sicherheitsdienstleister die ISAF als lukrative Einnahmequelle entdeckt.

 

Demgegenüber stehen all diejenigen, für die eigentlich mehr Sicherheit und ein freieres Leben jenseits der bittersten Armut erreicht werde sollte. Die humanitäre Situation ist mittlerweile so dramatisch wie seit Beginn des Einsatzes nicht mehr. Mit jedem Jahr wird die Lage von Frauen und Kindern schwieriger, was den Zugang zu Wasser, Nahrung und Gesundheitsversorgung anbelangt. Doch gegen die fortwährende Besatzung des Landes regt sich zunehmend Widerstand, vor allem auch dagegen, dass bei nächtlichen Kommandoaktionen der westlichen Truppen immer mehr Menschen getötet werden. Der Krieg selbst weitet sich auf immer größere Teile des Landes aus und dabei gerät die zivile Entwicklungshilfe unter die Räder. Doch auch unsere Gesellschaft wird verändert, wenn sich Auslandseinsätze zu Selbstläufern entwickeln und wenn ein Parteienkonsens von CDU/CSU, FDP, SPD bis GRÜNE glaubt, für außenpolitische Ziele militärische Gewalt anwenden und die Bürgerrechte massiv beschneiden zu dürfen.

 

Dem Völkerrecht muss wieder das Primat eingeräumt und die ISAF-Truppen abgezogen werden, um den Krieg zu beenden und nach zivilen Konfliktlösungen zu suchen. Diese müssen eingebettet werden in ein umfassendes Konzept für einen dauerhaften Frieden und einen wirklichen sozialen Ausgleich der divergierenden Interessen in einem Land, das viele Jahrzehnte lang unter Krieg und fremder Besatzung gelitten hat.

 

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Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte