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I. Einleitung

 

Nach der sowjetischen Besatzung in den 1980er Jahren stehen mittlerweile seit zwölf Jahren abermals fremde Truppen in Afghanistan – dieses Mal mit der Begründung, den internationalen Terrorismus bekämpfen zu wollen und gleichzeitig das Land wieder aufzubauen. Dabei ist der Einsatz in gleich mehrfacher Hinsicht gescheitert. Es ist jedoch nicht das Ziel dieser Arbeit, die Lage in Afghanistan umfassend zu dokumentieren oder die Entwicklung dieses Krieges nachzuzeichnen. Zu diesem Zweck gibt es eine Fülle an Literatur, als Einstieg sei empfohlen: DIE LINKE im Bundestag "Sie reden vom Frieden, aber sie führen Krieg - Bilanz von 10 Jahren Krieg und Perspektiven für ein freies Afghanistan." Erklärter Zweck dieser Arbeit hingegen ist es, das Thema unter der Prämisse zu untersuchen: Wer sind die Profiteure dieses Krieges, wer sind die Verlierer?

 

Die de-facto-Besetzung Afghanistans durch die ISAF ist Ausdruck eines wiedererstarkten Imperialismus, der sich seit dem Wegfall der sog. Blockkonfrontation unter US-amerikanischer Dominanz entwickelt hat. Innerhalb einer darauf fußenden Geostrategie kommt Afghanistan eine zentrale Rolle zu, die aber auch weitere Länder, wie etwa den Iran, umfasst. Die Region weckt darüber hinaus Begehrlichkeiten, was den Zugriff und Transport von Gas und Erdöl anbelangt, unlängst wurde zudem bekannt, dass in Afghanistan große Rohstoffvorkommen existieren.

 

Des Weiteren stellt sich die Frage, wie ordnet sich der ISAF-Einsatz in die Strategie der Remilitarisierung Deutschlands ein? Wer verdient am Krieg und daran, dass der Leitgedanke des Neoliberalismus radikal umgesetzt wird? In den letzten Jahren hat sich das Land von einer Kriegs- in eine Drogenökonomie verwandelt, die mit der Regierung Karzai ebenso wie mit den Aufständischen eng verflochten ist. Diese werden paradoxerweise durch die westlichen Truppen gestärkt, wie auch private Sicherheitsdienstleister die ISAF als Einnahmequelle entdeckt haben.

 

Demgegenüber stehen all diejenigen, für die eigentlich mehr Sicherheit und ein freieres Leben jenseits der bittersten Armut erreicht werde sollte. Die humanitäre Situation ist mittlerweile so dramatisch, wie seit Beginn des Einsatzes nicht mehr. Mit jedem Jahr wird die Lage von Frauen und Kindern schwieriger, was den Zugang zu Wasser, Nahrung und Gesundheitsversorgung anbelangt. Doch gegen die fortwährende Besatzung des Landes regt sich zunehmend Widerstand, vor allem auch dagegen, dass bei nächtlichen Kommandoaktionen immer mehr Menschen getötet werden. Der Krieg selbst weitet sich auf immer größere Teile des Landes aus und dabei gerät auch die zivile Entwicklungshilfe unter die Räder. Doch auch unsere Gesellschaft wird verändert, wenn sich Auslandseinsätze zu Selbstläufern entwickeln und wenn ein Parteienkonsens von CDU/CSU bis GRÜNE glaubt, für außenpolitische Ziele militärische Gewalt anwenden und die Bürgerrechte massiv beschneiden zu dürfen.

 

DIE LINKE hingegen will dem Völkerrecht und der demokratischen Teilhabe wieder das Primat einräumen, sie will die ISAF-Truppen abziehen, den Krieg beenden und nach zivilen Konfliktlösungen suchen, die eingebettet werden müssen in ein umfassendes Konzept für einen dauerhaften Frieden und sozialen Ausgleich der divergierenden Interessen in einem Land, das lange genug unter Krieg und fremder Besatzung gelitten hat.

 

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Uwe Ness | Texte zu Politik, Geschichte & Literatur