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III. Die Ehe


 

A) Allgemein

Ehe galt also rechtsgültig, iustum matrimonium, wenn A) rechtliche Befähigung (conubium), B) Mindestalter und C) Ehekonsens (Zustimmung der betroffenen Parteien) vorhanden war.

 

B) Rechtliche Befähigung zur Ehe: conubium

  • Conubium war vorhanden, wenn beide Partner frei waren und das römische Bürgerrecht hatten. Verbindungen zwischen Sklaven oder zwischen Fremden und römischen Bürgern hatten also keine Rechtsverbindlichkeit. Die potestas bestand nur über Kinder, die in einer rechtsgültigen Ehe enstanden sind.
  • Zahlreiche Kategorien von Personen zwischen denen trotz ihres Bürgerstatus kein conubium bestand: Ehen zwischen Patriziern und Plebejern, zur Zeit des Zwölftafelgesetzes noch ungültig, wurden durch die lex Canuleia 445 v. Chr. legalisiert. 186 v. Chr. galt es nach Gardner als gerechtfertigt, wenn der tutor einer reichen Frau einer manus-Ehe außerhalb der eigenen Sippe die Zustimmung verweigerte.
  • Durch die Ehegesetze des Augustus 18 v. Chr. wurden Senatoren drei Generationen lang an Ehen gehindert, die folgenden Gruppen angehörten: Freigelassene, Schauspielerinnen, Huren, Zuhälter, Ehebrecher, öffentlich Verurteilte. Sie galten als probrosi, als moralisch verwerflich. Kommentar des Juristen Paulus zur lex Iulia de adulteriis. Die Tochter eines Senatoren kann einen Menschen, der probrosi ist, heiraten, weil sie sowieso die gesellschaftliche Stellung verliert, umgekehrt wurde aber die Ehe eines Senators mit einem deratigen Menschen nicht mehr nur als verwerflich angesehen, sondern durch Augustus verboten.
  • Soldaten durften (wohl seit Augustus) während ihrer Dienstzeit nicht heiraten, zuvor geschlossene Ehe wurden aufgelöst, gleichwohl wurden sie beim Erbgang genauso behandelt wie verheiratete Männer. Starb der Soldat, hatte die Frau kein Ebrecht, auch die evt. geleistete Mitgift war verloren.
  • allgemein: Ehe zwischen Verwandten in auf- oder absteigender Linie verboten. Tendenzam Ende des 2. vorchristlichen Jahrhunderts: Endogamie (Heirat in der eigenen Sippe). Seit 1 Jahrhundert v. Chr:: Heirat zwischen Cousinen und Cousins ersten Grades erlaubt => gemeinsam mit Bemühen um eine Ehe ohne manus: Strategie, um das Vermögen der Familie zusammenzuhalten.
  • Da kein conubium bei bestimmten Verwandtschaftsverhältnissen, fielen solche Beziehungen unter das Strafrecht für außereheliche Beziehungen. die durch das Gesetz über Ehebruch, die lex Iulia de adulteriis festgelegt wurden. Gesetz regelte stuprum (Unzucht), incestum und Ehebruch sind Unterformen. Alle Verbindungen außerhalb der Ehe und des Konkubinats als Straftaten => Verbannung auf eine Insel; wenn sowohl Ehebruch als auch incestum => deportatio, neben eigentlicher Verbannung, noch Verlust des Bürgerrechts und des Vermögens; sexuelle Beziehungen zwischen Unverheirateten galten danach auch als Unzucht.

 

C) Mindestalter

 

Zur Zeit des Augustus nach Meinung des Gesetzes die Mädchen: 12 Jahre, wobei die Menstruation bei ca. 14 Jahren angenommen wurde. Ciceros Tochter Tullia wurde mit 12 verlobt und mit 16 verheiratet, verwitwet mit 22. Untersuchung von Grabinschriften, wonach von 171 Frauen, von denen Grabinschriften erhalten geblieben sind, lediglich 67 im Alter bis zu 15 Jahren und 127 im Alter von bis zu 19 Jahren verheiratet wurden, einige also offenbar mehrfach. medizinische Aspekt bei Soranus: häufige Fehlgeburten, hohe Sterblichkeit im Wochenbett und bei neugeborenen Kindern.

 

 

D) Ehekonsens

  • Zustimmumg der betroffenen Parteien - sofern sie sui iuris waren oder deren Eltern, wenn die Partner in einer potestas waren. Paulus: sowohl Brautpaar als auch Eltern müssen zustimmen; Ulpian nahm an, daß Tochter nur einen moralisch fragwürdigen Ehemann ablehnen könne. Bsp. von Tullia - bei Tullias dritter Ehe mit Dolabella, für die Cicero eigentlich einen anderen vorgesehen hatte, wurde gegen dessen Widerstand durchgeführt und gleichwohl nicht aufgelöst. Auch Paulus meint, daß Ehen von Personen in der potestas des Vaters ohne dessen Zustimmung nicht rechtsgültig geschlossen werden können,  und, daß sie aber einmal geschlossen, nicht wieder aufgelöst werden sollen.
  • Augustus erließ ein Gesetz, daß es Konsuln und Provinzialmagistraten ermöglichte, die Zustimmung eines Vaters zu einer Ehe zu erzwingen, wenn die Verweigerung der Zustimmung als iniuria - etwa bei einer Ehe ohne manus-Gewalt des Ehegatten - zu bezeichnen war. Wohl konnte er seine Kinder formal zur Eheschließung zwingen. Livius berichtet davon, daß 187 v. Chr. einige Senatoren Scipio den Älteren baten, seine Tochter mit Cracchus zu verloben. Dieser tat es in Abwesenheit seiner Tochter. Zu Hause habe sich seine Frau, so Livius weiter, "darüber, daß er sie nicht befragt hatte so ungehalten gezeigt, wie es wohl jede Frau wäre". Gleichwohl freute sie sich über die Auswahl des Schwiegersohnes. Aus Briefen Plinius des Jüngeren entnehmen wird die Kriterien für eingen guten Schwiegersohn: Abstammung aus guter Familie, guter Charakter und Bildung sowie Amtsstellung. Plinius meint weiter: Aussehen, Geld und Charme. Er war wohl als tutor der Tochter eines verstorbenen Freundes eingesetzt gewesen.

 

E) Die formale Prozedur der Eheschließung

  • Keine bestimmte Prozedur vorgeschrieben, jedoch gab es bestimmte Tage im Jahr, die auf Grund des Brauchtums geeignet waren, so z.B. nicht an den drei Tagen im Jahr, an denen der mundus, das Tor zur Unterwelt, offenstand.
  • häufig eine Feier mit Prozession bei Fackelschein und Musik, wobei die Braut "mit Musik und zotigen Posen" zum Haus des Bräutigams geführt wurde.

 

F) Verlöbnis

  • In frührepublikanischer Zeit bei manus-Ehe: Bräutigam oder sein pater sowie Vater der Braut oder tutor gegen sich die Versprechungen, sponsa, die dem Abschluß eines mündlichen Vertrages, stipulatio, entsprachen.
  • Verlöbnisse konnten straflos gebrochen werden, allerdings konnte auch Strafe vereinbart werden, wenn die Ehe nicht zustande kam.
  • kein Mindestalter für Verlöbnis, Octavian etwa verlobte seine zweijährige Tochter an einen Sohn des Mark Anton.
  • Verlobte galten als Teil der Familie. Das geht aus der Tatsache hervor, daß das augusteische Gesetz, welches engen Bluts- und angeheirateten Verwandten ermöglichte, vor Gesetz nicht gegeneinander auszusagen, auch auf ihn und seinen künftigen Schwiegervater angewandt wurde.

 

G) Beweise für das Bestehen einer Ehe

  • Jurist Modestinus sagt, "die Ehe ist die coniunctio, die Zusammenführung eines Mannes und einer Frau, und das Teilen ihres gesamten Lebens, die gemeinsame Teilhabe an menschlichen und göttlichen Rechten".
  • affectio maritalis (eheliche Zuneigung) schwer zu beweisen => Frau mußte in domum deducta (ins Haus geführt worden sein).
  • Sofern manus-Gewalt durch confarreatio oder coemptio geschaffen => Beweis leicht zu erbringen; bei einer freien Ehe fiel dies schwerer;
  • Beispiel: 231 v. Chr. ließ sich ein gewisser Spurius Carvilius Ruga wegen Unfruchtbarkeit der Frau scheiden. Erster Scheidungsprozeß behauptet antiker Historiker Dionysios von Halikarnaß - Es war wohl eher ein Prozeß zur Rückholung der Mitgfit. Ruga schwört, er wolle sich wegen der Unfruchtbarkeit scheiden lassen.
  • Witzgeschichte, die von Cellius und Cicero erzählt wird: Ein Man habe bei der Aufforderung des Cencors "den üblichen Eid bezüglich der Frauen" zu leisten gesagt: "Hast du nach bestem Wissen und Gewissen eine Frau?".
  • Zensuserhebungen immer seltener als alle fünf Jahre
  • Erst Gesetze des Augustus über die manumissio schaffen Anreize, die Geburt von Kindern registrieren zu lassen.
  • Eheverträge, tabulae nuptiales, in verschiedenen Teilen des I.R. im ersten nachchristlichen Jahrhundert mit Unterschrift von Zeugen; häufig Vereinbarungen finanziellen Chrarakters. Brautvater gibt an, seine Tochter in Übereinstimmung mit der lex Iulia de maritandis ordinibus in die Ehe gegeben habe, um Kinder hervorzubringen. Weiter: Liste mit Vermögensgütern, die Teil der Mitgift waren: Ein Fall vorhanden, bei dem vereinbart wurde, daß der Ehemann die eineinhalbfache Mitgift zurückzahlen muß, wenn er die Frau schlecht behandeln sollte.

 

H) Witwen und Witwenverheiratung

  • Nur einmal verheiratete Frauen wurden als univira besonders geschätzt.
  • Wiederverheiratung häufig; Einhaltung einer Trauerzeit vorgeschrieben, um sich der Vaterschaft noch ungeborener Kinder sicher zu sein (früher ritueller Charakter von Reinheit). turbatio sanguinis, Vermischung des Blutes, sollte vermieden werden. Deshalb konnte die Witwe auch innerhalb der 10 Monate heiraten, wenn sie bereits nach dem Tod des Mannes ein Kind bekommen hatte. Erklärung des 10-monatigen Jahres bei Ovid durch Frist für Schwangerschaft und für Wiederverheiratung. Männer mußten keine Trauerzeit einhalten (s.o.)
  • Ehemann verfügt, daß Ehefrau nur dann erbt, wenn sie sich nicht wiederverheiratet. paradox: weil sie ja erst dann das Erbe annehmen darf, wenn sie bereits selbst verstorben ist => cautio Muciana (nach dem Jurist Quintus Mucius Scaevola benannt): Witwe erhielt das Vermögen, wenn sie Garantie gab, nicht wieder zu heiraten, verlor es aber wieder, wenn sie wieder heiratete. Grund für der deartige testamentarische Verfügungen: der verstorbene Ehemann wollte nicht, daß sein Familienvermögen in die potestas eines anderen Mannes geriet bzw. er wollte das Erbe seiner Kinder schützen. In einer Grabinschrift aus dem 1. Jhd. v. Chr. bezeugt ein Sohn seiner Mutter seinen Dank dafür, daß sie - trotz ihrer zweiten Ehe - ihm aus ihrer erster Ehe einen höheren Erbteil als seinen Stiefgeschwistern zugemessen habe, weil sie Vermögen ihres ersten Ehemannes mit in die zweite Ehe gebracht habe.
  • Möglichkeit der querela inofficiosi testamenti (Klage gegen ein unangemessenes Testament) für Kinder, die bei Wiederverheiratung eines Elternteils ihre Benachteiligung fürchteten. Fall: Pinius der Jüngere vertrat eine Frau, die von ihrem Vater zuungunsten ihrer Stiefmutter wenige Tage vor dessen Tod enterbt wurde.

 

I) Konkubinen

  • Konkubinen waren freie Frauen, die mit einem Mann zusammenlebten, ohne dessen Gattin zu sein. Schwierig allerdings, Zusammenleben mit einer Konkubine von einer freien Ehe zu unterscheiden.
  • Cicero berichtet von einem Mann, der seine schwangere Frau in Spanien zurückgelassen habe und in Rom erneut geheiratet habe, ohne sich scheiden zu lassen. Tod des Mannes => kein Testament => Frage, wer erbberechtigt ist. Frage, ob neue Ehe Scheidung der alten bereits impliziert oder nicht. Wenn zweite Ehe ungültig, müßte zweite Frau als Konkubine behandelt werden.
  • Im Kaiserreich vermutlich Konkubinat häufiger auf Grund der Gesetzgebung des Augustus. Wegen den darin enthaltenen Strafen für Sexualverbrechen war es wichtig, das Konkubinat nicht nur von der Ehe zu unterscheiden, sondern auch von anderen Geschlechtsbeziehungen. Eine freigelassene Sklavin war besser dran, wenn sie nicht als Ehefrau ihrers patronus, sondern als Konkubine angesehen wurde, weil sie rechtlich daran gehindert war, sich von ihrem ehemaligen patronus scheiden zu lassen. Dieser hatte sie ja zum Zweck der Ehe freigelassen. Es sei denn, sie war auf Grund eine testamentarischen Bestimmung, einem fideicommissum freigelassen worden. Ulpian meint, eine freigelassene Konkubine könne nicht einfach ihren patronus verlassen, sie solle mit dem Verlust des conubiums bestraft werden, quippe cum honestius sit patrono libertam concubinam quam matremfamilias habere, "da es für einen patronus ehrenvoller ist, die Freigelassene als seine Konkubine denn als materfamilias zu haben".
  • Inschriftliche Zeugnisse legen die Vermutung nahe, daß das Konkubinat und andere de-facto-Ehen häufiger unter Personen mit dem Status eines Freigelassenen oder eines Sklaven vorkamen als unter Freigeborenen, da sie selten das conubium erfüllten. Männer besitzen häufig höheren gesellschaftlicher Status.
  • Begriff contubernalis (Zeltgenosse) spiegelt das wider: Zumindest einer der Partner war Sklave gewesen und hatte conubium.
  • Für einen freien Mann galt es als ungemessen, dauerhaft eine Beziehung zu einer Sklavin zu unterhalten. Kinder aus solchen Verbindungen wurden zudem selbst als Sklaven geboren.

 



Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte