Home
konkret & abstrakt
Zw. Revolte & Krieg
Afghanistan-Krieg
USA
Krieg in Libyen
Dt. Lit./Ge/PoWi
Wissenschaftstheorie
Frauen/Röm. Antike
athen. Demokratie
alterspezif. Tode
Freiburger Handfeste
Bauernbefreiung
Revolution 1918/19
Konjunkturpolitik/WR
Kennedy & Vietnam
Bundeswehr/Tradition
Transformismo: PCI
DIE GRÜNEN
Minne gebiutet mir
Felix Krull
Bildung v. Komposita
Reise des Lucas Leon
homo ludens
Parteipolitisches
Archiv - Gentechnik
cv & über mich
Twitter & Facebook
Kontakt & Impressum
Sitemap

Eingeschränkte Volksherrschaft

Was dürfen Frauen, Sklaven und Metöken in Athen?

- unkorrigiertes Vortragstyposkript -

 

 

Zur sozialen Struktur

 

Generell unterteilte sich in allen Stadtstaaten der griechischen Antike die Bevölkerung in drei soziale Gruppen: die freien und wahlberechtigten Bürger und deren Frauen, Metöken sowie Sklaven. Sklaven wurden in Athen nie gezählt, auch für Bürger und Metöken - was einen Rückschluß mit Hilfe der Methoden der historischen Demographie auf die Frauen und Kinder zuließe - existieren nur wenige Zahlenangaben, die meist aus der Aufstellung von Heeren resultieren. Im Lamischen Krieg (323-322 v. Chr.) schickten die Athener ein Bürgerheer mit 5500 Mann ins Feld, das 70 Prozent aller, die sich in den Altersklassen von zwanzig bis neununddreißig befanden, umfaßte. Mit einer Reserve ergibt dies eine Heeresstärke von 7800. Da jedoch keine Gesellschaft 100 Prozent ihrer Männer einberufen kann, sondern vielleicht 80 Prozent, kann von 10000 Männern zwischen zwanzig und neununddreißig Lebensjahren ausgegangen werden. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 25 Jahren, einen Bevölkerungswachstum von 0,5 Prozent und Jahr, errechnet sich daraus - so zumindest Hansen - eine männliche Bevölkerung von ca. 18000 Männern über achtzehn Jahren. Zusätzlich dazu kommen wir bei 4000 Bürgern auf den Schiffen nach dem gleichen Rechenmodell auf ca. 9.000 weitere athenische Bürger, was einer männlichen Gesamtbürgerschaft von 27000 entspricht. Zwischen 317 und 307 v. Chr. wurde im Rahmen eines Zensus festgestellt, daß es 10000 steuerpflichtige Metöken und 30000 Bürger gab. Daraus errechnen sich die drei- oder vierfache Zahl, wenn man Minderjährige und Frauen einschließt, also zwischen 30000 und 40000 Metöken sowie zwischen 90000 und 120000 Bürgern. Nicht eingerechnet in die Zahl der Metöken sind diejenigen Ausländer, die sich weniger als einen Monat in Athen aufhielten. Bei den Sklaven kann auch die historische Demographie mit ihren Methoden nur noch wenig ausrichten: Nach jahrelangem Streit ist sich die Forschung insgesamt einig darin, daß die Annahmen verschiedener griechischer Autoren (u.a. Hypereides), wonach es 1500000 männliche, erwachsene Sklaven (was mindestens 4500000 Sklaven insgesamt entsprechen müßte) viel zu hoch gegriffen ist. Wahrscheinlicher ist wohl, daß es generell (auch das ist angesichts verschiedener Phasen des Friedens) Zeiten gab, in denen es mehr Sklaven als Metöken und Bürger gab, daß diese Zahl aber kaum über 150000 hinausging.

 

 

Frauen

 

Grundsätzlich ist anzumerken, daß sich die griechische Frau in einer Art rechtlich sanktionierte Abhängigkeit von einem Vormund befand. Das war zunächst ihr Vater oder nach dessen Tod bzw. ihrer Verheiratung ihr älterer Bruder oder der Ehegatte der kyrios. Die Frau hatte keinerlei politische Rechte und die persiflierende Umkehrung der Institution der Volksversammlung in die "Weibervolksversammlung" (Ekklesizusen) bei Aristophanes ist ein Indiz dafür, wie politische Partizipation durch Frauen von der Männerwelt aufgenommen worden wäre. Verwundern kann dies insofern, als daß ja gerade die Männer in Athen ein für die Antike fast beispiellose Maß an politischer Mitbestimmung genossen.

Die griechische Frau durfte ihren Ehemann nicht frei wählen und war nur über ihren Vormund geschäftsfähig. Dieser vertrat sie dann auch vor Gericht mit einer schriftlichen Erklärung von ihr. Diese Praxis, daß Frauen nicht vor Gericht erscheinen durften, scheint generell gegolten zu haben - mit Ausnahme von Blutprozessen, wo es um Straftaten im familiären Kontext ging, so zumindest Bleicken. Schuller meint, Frauen dürften zwar nicht prozessieren, wohl aber als Zeuginnen auftreten. Ob er damit die oben erwähnten schriftliche Erklärungen meint, die der Vormund an der Frauen statt vor Gericht abgab, ist mir unklar geblieben. Frauen waren des weiteren nicht erbberechtigt und konnten auch kein Testament abfassen. Im Falle des vorzeitigen Todes ihres Ehemannes, des Vaters und der Brüder konnten sie als Erbtocher (epikleros) fungieren. Dabei ging es darum, das Erbe für die gemeinsamen Kinder bis zu deren Volljährigkeit zu verwalten. Sie wurde dann als Erbtochter öffentlich bekanntgeben und der nächste männliche Verwandte hatte das Recht, sie zu heiraten.

Andererseits ist festzustellen, daß die Athenerin persönlich frei war, sie hatte eine Art gesellschaftlich sanktioniertes Anrecht darauf, versorgt zu werden und bekam für die Ehe eine Mitgift, die bei einer Scheidung vom Ehemann zurückgefordert wurde. Die Athenerin besaß eine Art Klageschutz bei schlechter Behandlungen. Wie dieses Recht im Alltag realisiert wurde, bleibt jedoch im Unklaren. Nur ein Fall ist mir begegnet: Agriste, Frau Alkibiades wollte sich von ihrem Mann scheiden lassen, weil dieser auch bei sich zu Hause einen doch etwas zu offensichtlichen Umgang mit Hetären pflegte und verließ ihren Mann. Vermutlich der hohen Mitgift wegen holte dieser sie unter Gewaltanwendung zurück.

Vielfach wird in der Literatur die Auffassung vertreten, die Athener hätten ihre Frauen aus der Öffentlichkeit weggesperrt: Frauen hätten an sportlichen Wettkämpfen und an Theatervorführungen nicht teilgenommen. Belegt zumindest ist, daß bestimmte kultische Handlungen, wie Thesmophorien, auf die Frau beschränkt war.

Wolfgang Schuller entgegnet demgegenüber, daß die Frauen natürlich eine Rolle in der Öffentlichkeit gespielt hätten, zum Beispiel als die berühmten Athener Marktweiber und zitiert als Beleg hierfür Texte von Aristophanes. Schuller meint dazu in seiner etwas drastischen Sprache: "Es ist ganz klar: Diese Prachtweiber waren keine .... von den Männern eingeschüchterten Seelchen. Sie standen breitbeinig und höchst wortgewaltig mitten auf der athenischen Agora und widerlegten mit ihrer schieren Existenz die Meinung, 'die Athenerinnen' hätten ein hinter Fenstergittern zugebrachtes verschüchtertes Leben führen müssen." (S. 48) Danach beschäftigt er sich mit der Frage, ob Frauen das Theater besuchen durften, was Bleiken verneint. Schuller meint, daß allgemeine Hinweise, wie etwa die Derbheit und das Geschlechtliche, wie es in Komödien vorkomme, kein Argument dafür sei, daß Frauen der Besuch des Theaters per se verwehrt worden sei. Er meint, daß Sexualität in Athen allgegenwärtig sei, und verweist zur Begründung auf die "Hermesstatuen mit ihrem aufgerichteten Phalloi", denen die Athenerinnen tagtäglich ausgesetzt seien. Aus der Tatsache etwa, daß in Aristophanes Stück "Friede", Frauen ebenfalls von der Gerste abbekommen könnten, die im Theater in die Menge geworfen wird, folgert Schuller, daß diese Frauen dann auch dort zugegen gewsen sein müßten. In einem weiteren Stück, nämlich Lysistrat werden neben den Männern auch die Frauen angeredet. Vielleicht verhielt es sich so, daß die Frauen vielleicht hinter dem männlichen Publikum saß und daher von der Gerstengabe aufgeschlossen seien, weil diese nicht so weit geworfen wurde.

Um zu verdeutlichen, wie die Athener die Rolle der Frauen sahen, sei auf eine Textstelle eines Prozesses gegen eine Hetäre namens Neaira, welche sich das athenische Bürgerrecht erschlichen hatte, verwiesen. Dort meint der Ankläger: "Wir haben die Hetären der Lust wegen, die Nebenfrauen wegen der täglichen Pflege unseres Körpers, die Ehefrauen aber dazu, um uns legitime Kinder zu gebären und als verläßliche Wächter unseres Haushaltes". (Zitiert in: Schuller, 1985, S. 53). Zunächst verwundern diese Aussagen, könnten sie doch mitunter so verstanden werden, daß es dem Athener um nichts anderes geht als um die Befriedigung seiner Bedürfnisse, sei es in sexueller oder gentilizischer Hinsicht. Gleichzeitig jedoch, zumal sich der Ankläger vor einem Richtkollegium aus mehreren Hundert Männern befindet, drückt sich darin eine Art Wertschätzung für die athenischen Ehefrauen aus - auch wenn das vielleicht zunächst verwundern mag. Um den Frevel, nämlich das Einschleichen in das athenische Bürgerrecht, zu verdeutlichen nennt er zuerst die Hetäre, dann die Nebenfrau und schließlich - als für eine Ausländerin unerreichbar - die Ehegattin. Die darin enthaltene Steigerung - verbunden mit dem jeweiligen Zweck, den diese Frauen für den Athener Bürger aus dessen Sicht erfüllen, erscheinen die Aufgaben der Ehefrauen als ungleich würdiger und wichtiger - auch im Hinblick auf das Allgemeinwesen und die Erhaltung des Staatsvolkes. Der Redner mahnt die Richter weiter, daß eine Freisprechung der Hetäre ein falsches Signal für die Athenerinnen darstellte, weil sie damit deren eigener Status abwerten würde, wenn ein Einschleichen in das athenische Bürgerrecht durch eine Sklavin ohne Folgen bliebe.

Zusammenfassend läßt sich folgendes feststellen: Den Athenerinnen wurde vermutlich gerade deshalb die politische Mitsprache verwehrt, weil damit die zentrale Rolle der athenischen Familie verbunden ist. Diese athenische Familienverfassung umfaßt kultische Regelungen, Vorschriften zum Vermögen, Heirat, Mitgift, Scheidung sowie die doch sehr seltsame Einrichtung der Erbtochter. Schuller meint, daß die "Erhaltung des auch eine sakrale Einheit darstellenden Oikos [zu übersetzen etwa mit "Familie"] zu sichern" "zu Lasten der Frau ging" (Schuller, 1985, S. 61). Nach athenischer Vorstellung sei der Staat nicht ein Zusammenschluß einzelner Individuen, sondern einzelner Personenverbände - eben der Familie - und ein Funktionieren des Staatswesens die intakte Zugehörigkeit zu diesen Verbänden voraussetze. Verweisen sei auch darauf, daß mit der immer stärken öffentlichen Inanspruchnahme der männlichen Bürger, etwa durch Volksversammlungen oder Richterfunktionen, oder auch wegen Kriegen die Männer einfach häufiger abwesend waren, und die Bestimmungen, welche den Frauen auferlegt wurden, quasi als äußere Klammer fungierten, um dafür zu sorgen, daß zu Hause alles seinen geregelten Gang nimmt. So gesehen gründete das höhere Maß an politischer Partizipation auf eine stärkere Unterdrückung der Frau.

 

 

Sklaven

 

Nach Aristoteles ist der Sklave eine Art "beseelter Besitz", und trotz der Erkenntnis, daß es sich bei Sklaven um Menschen handelte, die ja auch freigelassen werden und vielleicht sogar das Bürgerrecht erwerben, also gleichberechtigte Bürger werden könnten, kam in der griechischen Antike nie eine Diskussion in Bezug auf eine Abschaffung der Sklaverei auf. Mit der Versklavung verlieren diese Menschen ihre selbständige Geschäfts- und Ehefähigkeit sowie die Freizügigkeit. Bei den Griechen wurden Sklaven als andrápodon, als den menschlichen Teil der Kriegsbeute bezeichnet.

Natürlich ist der Sklave von allen politischen Dingen ausgeschlossen - es ist ihm unter schwerster Strafe verboten, vor Volksversammlung und Rat überhaupt zu erscheinen. Bei vielen Kulten jedoch kann er zugegen sein. Im Gegensatz zu den Metöken ist er nicht wehrfähig, vielleicht im Falle höchster militärischer Not kann er rekrutiert werden - so geschehen am Ende des Peloponnesischen Krieges als es an Ruderern für die Kriegsschiffe mangelte.

In rechtlicher Hinsicht kann die Aussage eines Sklaven vor Gericht ausschließlich dann verwendet werden, wenn er die Aussage unter Folter gemacht hat. Etwas grotesk finde ich diese Regelung vor dem Hintergrund, daß ja dann auch ein freiwilliges Geständnis irgendwelcher Verbrechen nur unter Folter herbeigeführt werden konnte.

Die Tötung eines eigenen Sklaven wurde nicht als Mord betrachtet, sondern als Totschlag, worauf theoretisch Verbannung, jedoch keine Todesstrafe, stand - so zumindest Bleicken. Die Tötung eines Sklaven wurde vor dem Gericht der ephetai beim Palladion verhandelt und tatsächlich wurde sie nur, so Hansen andererseits, mit einer Geldstrafe geahndet. Allerdings kam es meist nur wegen der Tötung fremder Sklaven zu Prozessen, da ja bei eigenen Sklaven nur der eigene Besitz geschmälert wurde. Da es deshalb keine private Anklage gab, kann man davon ausgehen, daß es bei der Tötung eigener Sklaven kaum Prozesse gab. In Bezug auf andere Bestrafungen von Sklaven gab es keinerlei Einschränkung: Entlaufene wurden mit einer Brandmarke versehen, Sklaven konnten ausgepeitscht werden, in Ketten gehalten oder in die Tretmühle geschickt werden. Überfälle oder Tötungen fremder Sklaven konnten geahndet werden durch eine Anzeige des Besitzers (Privatklage) oder auch durch eine Anzeige irgendeines Bürgers (öffentliche Strafverfolgung wegen Körperverletzung oder Totschlag).

 

Immerhin wurde dem Sklaven das Recht auf eine Art Asyl gewährt, indem er sich bei Mißhandlungen seines Herrn durch Flucht in Heiligtümer bzw. zu Altären, z.B. dem Theseustempel, entziehen konnte. Dem Besitzer blieb in der Praxis dann nur die Möglichkeit, dem Wunsch des Sklaven, an einen anderen verkauft zu werden zu entsprechen.

Ein Großteil der Sklaven war, so vermutet Bleicken, bereits in Unfreiheit geboren. Hauptresservoir für den Sklavenhandel waren die Kriege, in dem die unterlegene, Bevölkerung versklavt wurde - darunter konnten auch Bürger anderer griechischer Städte sein, wobei sich hier die Praxis des Freikaufs durch andere Familienangehörige etablierte. Ansonsten gewann der gewerbsmäßige Sklavenhandel an Bedeutung: Hierbei spielte die Versklavung von Seeräubern oder auch regelrechte Sklavenjagden im Hinterland der Kolonialisationsgebiete in Illyrien, Thrakien, Kleinasien und im Schwarzmeergebiet sowie Balkan, Südrußland oder westlicher Kaukasus eine wichtige Rolle.

 

Innerhalb der Sklaven gab es eine Art Hierarchie: am schlechtesten gestellt waren diejenigen, die in den Bergwerken von Laureion zu unzumutbaren Bedingungen, teilweise in Ketten arbeiten mußten einerseits, andererseits gab es auch eine privilegierte Sklavenschicht, die etwa bei Bankiers, als Aufseher in Werkstätten oder als Verwalter von Besitztümern ihres Herrn fungierten. Teilweise arbeiteten Sklaven selbständig unter Abführung eines bestimmten Anteils ihres Einkommens an den Besitzer als Handwerkers und konnte einen gewissen Anteil ansparen, mit dem ein Freikauf aus der Sklaverei möglich war.

Sklaven konnten frei werden, indem sie freigekauft wurden - z.B. durch Familienangehörige oder durch selbst angespartes Geld - oder aber sie konnten wegen besonderer Verdienste freigelassen werden. Dann hatte sie den Status eines Metöken, auf den wir später noch eingehen werden, und mußten zeitlebens eine Art Dienst bei ihrem früheren Besitzer versehen.

 

Auch der Staat selbst unterhielt Sklaven, die sog. Staatssklaven (demosioi). Diese untergliederten sich in

  • Helfer der Magistrate: Sowohl verschiedene Magistrate als auch der Rat selbst unterhielt Sklaven, die zum Beispiel für Hinrichtungen, als Assistenten für den Schriftverkehr oder auch als Prüfer für die Währung, d.h. den Edelmetallgehalt, auf dem Markt zuständig waren.
  • Arbeiter: Die Straßen und öffentlichen Gebäude wurden von Arbeitssklaven gebaut und instandgehalten. Angesichts dieser Aufgaben kann man davon ausgehen, daß es sich hierbei um mehrere Hundert Sklaven gehandelt haben muß.
  • Skythen: Zwischen 450 und 350 v. Chr. unterhielt der Rat eine Mannschaft von 300 Bogenschützen, denen nach Hansen der ordnungsgemäße Ablauf der Volksversammlung oblag, nach Bleicken hatten sich auch allgemeinpolizeiliche Funktion. Klar ist dabei allerdings, daß die Skythen im Falle von Unruhen während einer Volksversammlung nicht etwa nach eigenem Ermessen begannen, auf die Bürger einzuprügeln, sondern dies von einem leitenden Magistrat anbefohlen wurde.

 

Metöken

 

Der Begriff metoikos wurde benutzt für Menschen, die zwar frei geboren waren, aber ihre eigene Stadt oder ihren Staat, in dem sie das Bürgerrecht genossen, verlassen hatten. Innerhalb der xenoi, den Ausländern, stellten sie die wichtigste soziale Gruppe dar. Der Status eines Metöken ergab sich aus der Pflicht, sich in dem Demos registrieren zu lassen, in dem er auch wohnte. Der Name des Demos wurde dann dem eigenen Familienname hinterherstellt. Wie lange man in Athen selbst leben konnten, ohne sich registrieren zu lassen, ist unklar, da für die beiden Stadtstaaten Chaleion und Oianthea jedoch ein Monat als gesichert angesehen werden darf, kann analog vielleicht geschlossen, daß auch in Athen diese Monatsfrist bis zur Anmeldung galt. Zudem konnte in Athen das metoikion, eine Art Ausländersteuer von zwölf Drachmen bei Männern und sechs Drachmen bei Frauen jährlich, in zwölf Raten bezahlt werden.

Obwohl der Metöke von Amts wegen das Demotikon besaß, was ja für den noch nicht mündigen Bürger eine der Voraussetzungen für die Teilnahme am Staatsleben darstellt, war er kein Angehöriger des Demos. Jeder Metöke mußte bei seiner Registrierung eine Art Bürgen, den prostates, für sich nachweisen. Ansonsten setzte er sich der Gefahr einer "privaten Klage wegen dem Versäumnis, einen Bürgen zu haben" aus. Strafe für illegale Ausländer bzw. solche, die keine Bürgen hatten, waren Vermögenseinzug und Verkauf in die Sklaverei. Interessant ist hierbei, daß es sich um eine Privatklage handelt, d.h. man wollte die Athener Bürger dazu anhalten, illegale Metöken zu verklagen und dadurch die scharfe Trennung zwischen Staatsvolk und geduldeten Ausländern beibehalten. Dem Kläger fiel dann für seine Denunziation und die Klage gegen die illegalen Metöken sowohl Vermögen als auch der Erlös aus dem Verkauf in die Sklaverei anheim. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die Wahl eines prostates als Beschützers und der Registrierung im zuständigen Demos. Ansonsten wären willkürliche Anklagen und persönliche Bereicherungen seitens Athener Bürger gegenüber Ausländern ja Tür und Tor geöffnet worden. Die Metöken waren einer Art Sondergerichtsbarkeit unterworfen, Privatklagen von bzw. gegen Metöken kamen vor den Polemarchen. Öffentliche Strafverfolgung hingegen wurden vor den Magistraten verhandelt. Vorhandene Reden belegen, daß Metöken dabei sowohl selbständig auftraten als auch, daß ihr prostates zugegen war.

Metöken mußten zusätzliche Steuern (das bereits erwähnte metoikion sowie eine Art Marktgebühr) bezahlen, den Wehrdienst ableisten und ihnen oblagen noch andere öffentliche Verpflichtungen, sie besaßen jedoch - wie bereits erwähnt keine politischen Rechte, ja sie konnten weder Land noch Häuser besitzen, es sei denn über das besondere Vorrecht der enktesis, das ihnen verliehen werden konnte. Gleichzeitig konnte der Metöke seine Religion frei pflegen und an Kulten und Festen teilnehmen. Ehen zwischen einem Metöken und einer Athenerin waren ungültig und der Metöke wurde auch härter bestraft als wenn ein Athener umgekehrt mit einer Metökin zusammenlebte. Vom Metoikion konnten sie befreit werden, wenn ihnen die Isoteleia (Gleichheit der Abgaben und des Militärdienstes) verliehen wurde.

Grundsätzlich können die Metöken in zwischen zwei Gruppen unterschieden werden: Ausländer, die als Freigeborene aus anderen Städten nach Athen kamen und entweder Händler und Handwerker oder aber politische Flüchtlinge waren sowie ehemaligen Sklaven, die mit ihrer Freilassung den Status von Metöken erlangten. Die Freigelassenen oblag eine Reihe von Verpflichtungen gegenüber ihrem Freilasser, dem früheren Herrn: Dieser konnte sie mit einer "privaten Klage wegen Sichentziehens" konfrontieren, wenn der ehemalige Sklave nicht seinen Pflichten entsprach. Sofern der Freigelassene keine Kinder hinterließ, beerbte ihn sein ehemaliger Herr. Waren Nachkommen von freigelassenen Sklaven vorhanden, so genossen diese dann den Status eines freigeborenen Metöken, also ohne noch irgendwelche Verpflichtungen gegenüber dem Herr ihrer Eltern mehr zu besitzen.

Bei Xenophon findet sich der Hinweis, daß viele Metöken Barbaren aus Lydien, Phrygien und Syrien sein. Damit hat er vermutlich freigelassene Sklaven gemeint, denn just aus diesen Gebieten kam ein Großteil der athenischen Sklaven.

Die Frage bleibt zu klären, warum trotz der offenkundigen Diskriminierung von Ausländern viele Menschen nach Athen strömten, - immerhin haben wir vorhin gesehen, daß es sich hierbei um ca. 30000 Metöken bei einer Gesamtbevölkerung von insgesamt ca. 270000 bis 30000 um ca. 10 Prozent der Bevölkerung handelte. Für die Athener galt - wie für viele andere Griechen auch - eine Prämisse, die in Platons Gesetzen Eingang findet: Darin ist von einer Utopie die Rede, bei der alle Bürger auf dem Land als Bauern arbeiten und gleichzeitig alle Händler und Handwerker sich aus Metöken rekrutieren. Auch die Tatsache, daß es eine gesetzliche Bestimmung gab, wonach eine Verleumdungsklage erlaubt wurde, wenn ein Bürger öffentlich als "Kaufmann" bezeichnet wurde, ergibt sich, daß Handel und Gewerbe bei den Griechen wenig Ansehen genossen. Insofern waren die Metöken in Handel und Gewerbe stark überrepräsentiert und da zudem in Zeiten der ökonomischen und kulturellen Blüte Athen für Handel und Gewerbe außerordentlich attraktiv wurde, zogen diese Faktoren Ausländer besonders aus nichtgriechischen Ländern an.

 



Uwe Ness | Texte zu Politik, Geschichte & Literatur