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X. Arbeitende Frauen

 

A) Geschäftstätigkeit von Frauen

  • Sklavinnen, die geschäftstätig waren, hatten gleichen Rechtsstatus wie Sklaven. Sie hatten formal zwar kein Eigentum, durften aber über das peculium verfügen.
  • Frauen, die sui iuris waren, benötigten einen tutor für verschiedene Transaktionen. Er konnte eigentlich nur etwas verhindern, nichts aber selbst initiieren. Die Frauen hafteten persönlich. Verträge und Übernahme von Verpflichtungen im Allgemeinen sowie von rechtlich eingeschränkten Sachgütern, res mancipi.
  • Nach dem senatusconsultum Velleianum durften Frauen für niemanden mehr Bürgschaften übernehmen, nachdem zuvor schon Gesetze des Augustus und Claudius dies für den Ehemann verboten hatte => wäre das allgemein angewandt worden, wären Frauen aus dem Geschäftsleben ganz ausgeschlossen worden; vermutlich wurde das nicht flächendeckend angewandt und der Praetor konnte auch Ausnahmen erlauben.
  • Da die Frauen von öffentlichen Funktionen ausgeschlossen waren, hätten sie auch nicht Teil der Steuerpachtgesellschaften sein können. In den Digesten wird eine Frau erwähnt, die bei ihrem Tod Schuldnerin des Fiskus war und es wird ausdrücklich gesagt, daß sich die Schuld aus der Steuerpacht ergibt.

 

B) Handwerk und Gewerbe

  • Beleg für verschiedene handwerkliche Tätigkeit von Sklavinnen und auch von freien Frauen; Arbeitgeber kann Eigentümer von Sklavinnen gewesen sein, aber es konnten auch qualifizierte Sklavinnen vermietet werden. In den Digesten für Bau- und Schiffsbauhandwerk sowie für Wollarbeiten und Weberei belegt; Lehrverträge für Sklaven aus Ägypten sind vorhanden.
  • Bsp.: Weberei in Pompeii
  • Gelegentlich haben Frauen das Gewerbe ihrer Männer nach deren Tod weitergeführt als officinatores oder einem Geschäftsführer übertragen. Nunnidia Sperata scheint die Pacht für eine Tongrube bei Rom von ihrem Mann übernommen zu haben.
  • Kein Gesetz, das es Frauen und Männer verbot, eine societas zu bilden, auch wenn die Frau nur Geld und stille Teilhaberin war. Sofern Scheidung und Mitgift in die societas gegeben wurde, hatte die Rückgabe der Mitgift Vorrang vor den Forderungen der Gläubiger.
  • Frauen sind niemals als Mitglieder von Gilden, collegia, belegt. Es gibt nur wenige, ausschließlich von Frauen gebildete Gruppen, wie etwa die Vereinigung der Mimus-Darstellerinnen in Rom oder Friseusinnen in Ostia. Andererseits auch keine direkte Regelung, wonach Frauen aus diesen Gilden ausgeschlossen waren.

 

C) Qualifizierte Tätigkeiten

  • Am häufigsten finden sich Inschriften, die sowohl für Sklavinnnen als auch für freigeborene oder freigelassene Hebammen errichtet wurden. Das Gesetz anerkannte ihre Tätigkeit und sie konnten bei Streit über ihre Entlohung den Provinzstatthalter um die Festsetzung des Lohnes anrufen.
  • Bemerkenswert ist das Vorhandensein weiblicher Ärzte in der ganzen römischen Welt. Nur wenige werden ausdrücklich als freigelassen bezeichnet. Beispiele aus Metz und Ostia. In Ostia wir ein Ehepaar genannt, das wohl zusammen praktizierte, sie wohl eher als Hebamme, er als Arzt.
  • Ein Arzt aus Pergamon setzte seiner Frauen ein Grabstein: "Zwar warst du eine Frau, doch fehlte es dir nicht an meiner Kunst."

 

D) Dienstleistung

  • manche Tätigkeit wie Masseuse, Ankleiderin und Begleiterin (pedisequa) wohl nur von Frauen ausgeübt. Friseuse als qualifizierte Tätigkeit, die man erlernen mußte - wurde wohl auch von freien Frauen ausgeübt.
  • Ammen: eigentlich nur Stillen und Betreuung von Säuglingen, aber in vielen Haushalten dann oft auch als Erzieherin - in wohlhabenden Kreisen war Beschäftigung einer Amme selbstverständlich. Soranus gibt detaillierte Kriterien dafür, welche Frauen als Ammen geeignet sind. Ammen wurden als Sklavinnen auch häufig für einen gewissen Zeitraum - mal für 6 Monate oder auch für 2 oder 3 Jahre vermietet. In den aus Ägypten erhaltenen Ammenverträge wird regelmäßig vereinbart, daß die Ammen keinen Geschlechtsverkehr haben dürfen, nicht schwanger werden und auch kein anderes Kind nähren dürfen. Der Lohn war gering: 7 bis 10 Drachmen pro Monat im ersten Jahrhundert n. Chr., 16 bis 20 im zweiten - eine Sklavin, die an einen Weber vermietet wurde, brachte 420 Drachmen im Jahr. Für den Fall, daß das Kind starb, sahen die Vertäge vor, daß die Amme ein anderes annehmen oder in manchen Fällen eins stellen sollte (vielleicht "vom Misthaufen"; vgl. ausgesetzte Kinder), den Vertrag zu Ende erfüllen oder aber den vorausbezahlten Betrag zurückgeben sollte.

 

E) Freizeit und Vergnügen

  • praetorianisches Edikt setzte fest, daß Unterhaltungskünstler und Prostituierte der infamia verfallen seien; Senatoren war es seit Augustus verboten, mit solchen Menschen Ehen zu schließen, Tiberius untersagte es Senatorenstand, als Gladiatoren aufzutreten.
  • Gleichwohl konnte Schauspielerinnen auf richtigen Bühnen viel Geld verdienen. Cicero meint eine Tänzerin namens Dionysia verdiene 200 000 Sesterzen; es ist allerdings unklar, in welchem Zeitraum. Verträge über das Engagemant von Schauspielergruppen sind aus Ägypten erhalten: sie verdienten mehr als etwa eine Weberin.
  • Mimus-Darstellerinnen scheinen wenig Schutz genossen zu haben: Gnaeus Plancius wird 54 v. Chr. wegen Wahlbetrug vor Gericht gestellt. Der Ankläger wies als Teil der üblichen Rufmordkampagne darauf hin, daß der Beklagte als junger Mann angeblich an einem Angriff auf eine Mimus-Darstellerin in Atina beteiligt gewesen sei. Cicero bestreitet das nicht, sondern meint, daß der Angriff als vetere quodam in scaenicos iure, maximeque oppidano gelte, als nach dem traditionellen Recht solcher Behandlung von Schauspielern, insbesondere in Landstädten gelte. Auch schon in der späten Republik verlangte das Publikum üblicherweise bei Mimus-Vorstellungen, daß sich die Darstellerinnen ausziehen sollten.

 

F) Gaststätten

  • mehrere Kaiser unternahmen Versuche, Anziehungskraft von Bars und Garküchen zu verringen (standen im Gegensatz zum Ideal des häuslichen Amusements, Abendmahl zu Hause mit Gästen und Unterhaltung)
  • Beide Bezeichnungen wurden als gleichbedeutend angesehen. In ihrer überwiegenden Mehrzahl gingen die Frauen dem Gewerbe der Prostitution in den Gasthäusern nach, doch scheint es auch Ausnahmen gegeben zu haben: Am Ort eines Venus-Heiligtums, gelegen an der via Latina zwischen Aquinum und Casinum, hat man folgende Inschrift gefunden: „Flaccei Lais, Freigelassene des Aulus, Orbis Lais, Freigelassene der Orbia, Cominia Philocrais, Freigelassene des Marcus, und Centuria Thais, Freigelassene des Quitus, errichten eine Küche (culina) für Venus auf ihre eigenen Kosten (de suo); die Konzession ist widerrufbar (loco precario).“ Die Namen lassen darauf schließen, daß es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte. Die Annahme, dass es sich dabei um ein Bordell handelte, das unter der Regie von freigelassenen Sklavinnen (de suo) geführt wurde, zudem noch diesen gehörte, scheint recht ungewöhnlich – „eines der frühesten Beispiele überhaupt für eine Frauenkooperative“.
  • Eßlokal wude suo errichtet, sie waren nicht Geschäftsführer, institores, sondern selbst Inhaberinnen. Ulpian erwähnt in den Digesten, daß es Leute gebe, die ehrwürdig auftreten, ihr Einkommen jedoch aus der Prostituion beziehen würden, indem sie Bordelle verpachten würden.

 

G) Prostitution

  • Prostituierte waren der infamia verfallen, konnten keine freigeborenen Bürger heiraten und kein Gesamterbe antreten: Sie mußten sich beim Aedilen registrieren lassen, um dem Ehebruchsgesetz zu entgehen
  • Gellius zitiert den spätrepublikanischen Historiker Atilius Capito: Ein kurulischer Aedil klagte vor dem Volksgerichtshof gegen eine Prostituierte, weil er von einem Stein getroffen wurde, der aus ihrer Wohnung geworfen wurde. Die Prostituierte wandte sich an den Volkstribun. Sie meinte, er hatte zu viel getrunken und hätte sie belästigt. Die Volkstribunen untersagtem dem Aedilen, den Fall weiter zu betreiben, da er ganz richtig von "jenem Ort, an den mit einem Blumengewinde im Haar (also als Zecher) zu kommen ihm nicht anstand."
  • Fazit: in Ausübung seiner Pflichten konnte der Aedil schon die Wohnungen von Prostituierten überwachen, nicht jedoch als betrunkener Privatmann. Zweck der Registrierung war wohl, daß man potentielle Unruheherde besser identifizieren kann => Art Polizeitätigkeit
  • An der Kleidung konnte erkannt werden, ob es sich um eine Prostituierte handelte oder nicht. Wenn die Frau nicht die übliche lange Robe einer angesehenen Frau trug, sondern ein grelles Gewand, mußte auch bei sexuellen Angriffen mit einer geringeren Strafe gerechnet werden. Vermutlich existierte kein Zwang zum Tragen eines bestimmten Kleidungsstücks, sondern Prostituierte bevorzugten eher einen bestimmten Stil. In einem Stück des Mimus-Autors Titus Quinctius Atta, der um 100 v. Chr. wirkte, heißt es cum nostro ornatu per vias meretricia lupantur, sie gehen als Prostituierte mit unserem Gewand auf Kundenfang in den Straßen.
  • In Pompeii forderten Prostituierte nach Wandinschriften als Lohn in der überwiegenden Zahl der Fälle 2 As, es wurden aber auch bis 16 As verlangt.

 



Uwe Ness | Texte zu Politik, Literatur & Geschichte